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Mandelmilch in der veganen Ernährung: Übermäßiger Konsum führt zu Hyperoxalurie und Nierensteinen

02.2016
Autoren Prof. J. Spranger, Universitäts-Kinderklinik Mainz und Prof. E. Harms, Universitäts-Kinderklinik Münster

Mandelmilch ist in der veganen Ernährung als Alternative zu Milch tierischen Ursprungs sehr beliebt. Die beiden US-amerikanischen Autoren beschreiben nun 3 Patienten, die sich mit größeren Mengen von Mandelmilchprodukten ernährt hatten [1].

Soweit angegeben, wurden täglich ¾ bis 1 Liter Mandelmilch konsumiert. Zwei Patienten hatten eine ausgeprägte Dysurie (erschwerte und/oder schmerzhafte Blasenentleerung) mit Hämaturie (Blut im Urin) und Bildung von Kristallen im Urin. Der dritte Patient hatte Nierensteine mit reinen Calciumoxalatsteinen. Bei allen drei Patienten wurde eine ausgeprägte Hyperoxalurie (erhöhter Gehalt an Oxalsäure im Urin) festgestellt. Die Ausscheidung von Oxalsäure im Urin lag bis mehr als doppelt so hoch wie der maximale Normwert.
Nach Absetzen der Mandelmilch reduzierte sich die Ausscheidung auf Normalwerte, Dysurie und Hämaturie bildeten sich zurück.

Die Autoren haben eine Reihe pflanzlicher Milchersatzprodukte auf ihren Gehalt an Oxalsäure geprüft. Dabei war der Gehalt in Mandelmilch um ein Vielfaches höher im Vergleich zu Soja-, Reis- oder Kokosnussmilch. Besonders nicht kommerzielle, selbst hergestellte Mandelmilch (30 g Mandeln/100 ml) hatte einen exzessiv hohen Oxalsäuregehalt von 68 mg/100 ml. Die Autoren weisen außerdem darauf hin, dass im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Quellen die Oxalsäure in Mandeln zu 31 % in löslicher und nicht gebundener Form vorkommt und wegen des niedrigen Calcium- und Magnesiumgehalts der Mandelmilch besonders leicht resorbiert werden kann.

Kommentar: Mandelmilch sollte nicht als Ersatz für Milch tierischen Ursprungs in größeren Mengen konsumiert werden. Insbesondere von selbst hergestellter Mandelmilch, wie im Internet an vielen Stellen empfohlen, ist dringend abzuraten.

Referenz: [1] Ellis D, Lieb J (2015) Hyperoxaluria and Genitourinary Disorders in Children Ingesting Almond Milk Products. J Pediatr 167:1155-1158. EH