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Otitis media: Diagnostik der beim schreienden Kind

04.2017
Autor Professor J. Spranger, Universitäts-Kinderklinik Mainz

Ein gerötetes Trommelfell ist Zeichen einer Otitis media. Die Rötung kann jedoch ebenso durch den erhöhten pulmonalen Druck beim Schreien und den damit erhöhten Rückfluss-Widerstand bedingt sein.

Eine Gruppe von 30 Kindern und jungen Erwachsenen imitierte diese Situation mit Valsalva-Manövern während einer herkömmlichen Otoskopie [1]. Wie erwartet führte die Prozedur zu erweiterten Blutgefäßen in Gehörgang und Trommelfell. Im Unterschied zu den Befunden bei einer Otitis media war das Trommelfell jedoch nicht vorgewölbt, die Rötung uneinheitlich mit Aussparung des Trommelfell-Zentrums. Die Stauung blieb über 5-10 Sekunden nach Beendigung des Valsalva-Manövers bestehen, würde sich beim schreienden Kind also nicht mit dem Atemzyklus verändern, wie von manchen Diagnostikern als Differentialkriterium genutzt.

Kommentar: Greift ein Kind nach dem Ohr, zupft oder reibt, so mag dies ein erster Hinweis auf eine Mittelohrentzündung sein. Otoskopisch, am besten mit dem pneumatischen Otoskop, bestätigt ein diffus gerötetes, vorgewölbtes Trommelfell mit oder ohne Ruptur die Diagnose.

Referenz: Isaacson G (2016) Acute otitis media and the crying child. Pediat Infect Dis J 35, e399-340.