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Striae gravidarum

05.2020
Autorin Frau Lara Mönter, Hebamme aus Frechen

Striae gravidarum wurden bisher vor allem als ein kosmetisches Problem betrachtet. Die Studie von Kan et al. (2019) hat nun einen Zusammenhang zwischen Striae gravidarum und Verwachsungen festgestellt. Damit kann die Beurteilung von Striae als ein mögliches Instrument für die präoperative Beurteilung vor Re-Sectiones genutzt werden.

Entstehung von Striae gravidarum
Striae gravidarum oder auch Schwangerschaftsstreifen sind bläulich schimmernde Dehnungsstreifen an Bauch, Brüsten, Gesäß, Oberschenkeln oder Oberarmen. Sie entstehen durch die mechanische Dehnung der Subkutis in der Schwangerschaft. Der Anstieg des Hormons Kortisol in der Schwangerschaft begünstigt die Entstehung von Dehnungsstreifen (Stiefel at al., 2015). Im Wochenbett werden Striae gravidarum kleiner und heller. Ein vollständiger Rückgang der Streifen nach der Geburt ist jedoch selten.

Risikofaktoren und Vorbeugung
Zur Vorbeugung gegen die unerwünschte Hautveränderung wird die Vermeidung von Belastungen der Durchblutung empfohlen. So gelten zum Beispiel das Rauchen und das Tragen von sehr enger Kleidung als belastende Faktoren, durchblutungsfördernde Maßnahmen wie Wechselduschen und Bewegung hingegen als präventiv (Teuerle, 2014). Als Risikofaktoren für die Entstehung von Striae gravidarum wurden ein erhöhter BMI, ein geringes Alter der Frau (Thomas & Liston, 2009), eine große Gewichtszunahme in der Schwangerschaft und ein hohes Geburtsgewicht des Kindes (Davey, 1972) identifiziert.

Striae als kosmetische Einschränkung
Ein negativer Einfluss von Striae gravidarum auf das Wohlbefinden von Schwangeren ist bekannt. So schätzen Schwangere mit Dehnungsstreifen in einer Studie von Nandi und Choudhury (2018) ihre Lebensqualität in Bezug auf ihre Haut signifikant niedriger ein als Schwangere ohne Dehnungsstreifen.

Hinweis auf Verwachsungen
Ein türkisches Team der Universität Hitit stellte nun in einer prospektiven Studie fest, dass ein Zusammenhang zwischen Striae gravidarum und Verwachsungen besteht. Für die Beurteilung der Dehnungsstreifen wurde der Davey Score genutzt. Hierbei wird die Bauchdecke in vier Quadranten eingeteilt. In jedem Quadranten werden die Streifen nach Menge und Schwere beurteilt. Es wird unterschieden zwischen der Abwesenheit von Striae, leichten Striae und schweren Striae. Besonders die Dichte von Striae in der oberen Bauchhälfte zeigte einen signifikanten Zusammenhang mit der Ausprägung von Verwachsungen. Diese Erkenntnis ermöglicht es dem Operateur, sich vor einer Re-Sectio auf mögliche Adhäsionen einzustellen, und kann daher zu einem wichtigen präoperativen Beurteilungsinstrument werden (Kan et al., 2019).

Fazit
Neben den nicht zu unterschätzenden Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Schwangeren haben Dehnungsstreifen auch eine anamnestische Bedeutung. Daher ist sowohl die Beratung der Frau in der Schwangerenvorsorge zu Risikofaktoren und vorbeugenden Maßnahmen als auch die Beurteilung der Striae präoperativ angezeigt und kann als sinnvolles Instrument in die Anamneseerhebung jeder Frau vor geplanter Sectio integriert werden.

Referenz:

Davey, C. (1972): Factors associated with the occurrence of striae gravidarum, in: BJOG, 72(12).
Kan, O., Gorkem, U., Alkilic, A., Cetin, M. (2004): Efficacy of striae gravidarum extension and localization on predicting intraperitoneal adhesion risk, in: Journal of Obstetrics and Gynaecology Research, 45(12).
Nandi, N., Choudhury, A. (2018): Evaluation of prevalence and impact of striae gravidarum in the dermatology-specific quality of life in pregnant women, in: MedPulse – International Journal of Gynecology, 6(3), S. 52–54.
Stiefel, A., Geist, C., Harder, U. (2015): Hebammenkunde – Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf, 5. überarbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart: Hippokrates, S. 509.
Teuerle, S. (2014): Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden, in: Deutscher Hebammenverband. Schwangerenvorsorge durch Hebammen, 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart: Hippokrates, S. 262.
Thomas, R., Liston, W. (2009): Clinical associations of striae gravidarum, in: Journal of Obstetrics and Gynaecology, 24(3), S. 270–271.