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Die Auswirkungen von kontinuierlicher Hebammenbetreuung

12.2020
Autorin Frau Lara Mönter, Hebamme aus Frechen

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine kontinuierliche Betreuung in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett durch eine Hebamme oder eine kleine Gruppe von Hebammen, die der Frau bekannt sind. Doch welche Auswirkungen hat dies tatsächlich auf die Frau, das Neugeborene und die Hebammen?

Die Empfehlungen
Empfehlungen für eine kontinuierliche Hebammenbetreuung in der Zeit von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett finden sich in vielen Quellen. Allen voran hat die Weltgesundheitsorganisation 2018 empfohlen, dass MLCC (midwife-led continuity of care, deutsch: hebammengeleitete kontinuierliche Versorgung) als Standard in der Versorgung von Frauen eingeführt wird. In Einrichtungen, in denen dies nicht möglich sei, solle zunächst die Anzahl der dort tätigen Hebammen (und ggf. die Qualität der Arbeit) erhöht werden (WHO, 2018). In Ländern wie Australien und England findet sich MLCC ebenfalls in den Empfehlungen wieder (England: Sandall, 2017; Australien: Brown & Bruinsma, 2006).

Auswirkungen auf Mutter und Kind
In der Literatur finden sich zahlreiche Quellen, die positive Auswirkungen kontinuierlicher Hebammenbetreuung auf Mutter und Kind belegen. So besteht für Frauen, die kontinuierliche Hebammenbetreuung erfahren, eine 16% geringere Wahrscheinlichkeit für einen Abort, eine 15% geringere Wahrscheinlichkeit, lokale Analgesie zu benötigen, eine 24% geringere Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt und eine 16% geringere Wahrscheinlichkeit für eine Episiotomie (Sandall, 2017). Zusätzlich wurde festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine operative Entbindung sinkt und die Wahrscheinlichkeit für eine Geburt ohne Geburtsverletzung steigt (Page, 2003).

Neben den quantitativ messbaren Faktoren zeigt sich auch ein Anstieg an qualitativen Parametern. So bewerteten Frauen in einer randomisiert kontrollierten Studie aus dem Jahr 2016 ihre Zufriedenheit in allen drei Phasen – Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett – als signifikant höher, wenn sie kontinuierliche Hebammenbetreuung erfuhren (Forster et al., 2016). In einer Studie aus dem Jahr 2003 bewerteten Frauen ihr Vertrauen und ihre empfundene Kontrolle über die Ereignisse als höher, wenn sie kontinuierlich durch eine Hebamme oder durch ein Team von ihnen bekannten Hebammen betreut wurden (Page, 2003).

Auswirkungen auf die Hebammen
Hebammen profitieren ebenfalls von MLCC. So steigt deren Zufriedenheit mit ihrer Arbeit, wenn sie die Möglichkeit haben, Frauen kontinuierlich zu betreuen. Die Rolle der Hebamme wird durch die betreuten Frauen als wichtiger und ihre Verantwortung als höher eingestuft (Page, 2003) und Hebammen haben das Gefühl, mehr Anerkennung für ihren Expertenstatus zu erhalten (Maillefer et al., 2015).

Auch die Ausbildung von Hebammenschülerinnen wird durch eine kontinuierliche Arbeit mit den Frauen positiv beeinflusst. So kommt eine qualitative Studie aus dem Jahr 2013 zu dem Ergebnis, dass Hebammenschülerinnen, wenn sie Frauen kontinuierlich begleiten, ein hohes Maß an Vertrauen durch die Frau erfahren und ihre Fähigkeiten besonders gut ausbauen können. Sie erfahren, wie wichtig eine kontinuierliche und ganzheitliche Betreuung nicht zuletzt für die Selbstbefähigung der Frau ist (Aune et al., 2013).

Fazit: Die Förderung von kontinuierlicher Hebammenbetreuung hat eine Vielzahl an positiven Einflüssen sowohl für die betreuten als auch für die betreuenden Personen. Eine Umsetzung von MLCC sowohl in Kliniken als auch in der freiberuflichen Arbeit von Hebammen ist empfehlenswert.

Referenzen:
Aune, I., Dahlberg, U., Ingebrigtsen, O. (2013). Relational continuity as a model of care in practical midwifery studies, in: Bristish Journal of Midwifery, 19(8).
Brown, S. & Bruinsma, F. (2006). Future directions for Victoria´s public maternity services: is this „what women want“? Australian health review: a publication of the Australian Hospital Association, 30(1): 56-64.
Forster, D., McLachlan, H., Davey, M, Biro, M., Farrell, T., Gold, L., Flood, M., Shafiei, T., Waldenström, U. (2016). Continuity of care by a primary midwife (caseload midwifery) increases women´s satisfaction with antenatal, intrapartum and postpartum care: results from the COSMOS randomised controlled trial, in: BMC Pregnancy and Childbirth, 28(16).
Maillefer, F., de Lebrusse, C., Cardia-Vonèche, L., Hohlfeld, P., Stoll, B. (2015). Women and healthcare providers´ perceptions of a midwife-led unit in a Swiss university hospital: a qualitative study, in: BMC Pregnancy and Childbirth, 56(15).
Page, L. (2003). One-to-One Midwifery: Restoring the „With Women“ Relationship in Midwifery, in: Journal of Midwifery & Women´s Health. 48(2).
Sandall, J. (2017). The contribution of continuity of midwifery care to high quality maternity care. The Royal College of Midwives. Zugriff unter: www.rcm.org.uk/media/2265/continuity-of-care.pdf, am 20.11.2020.
WHO (2018). WHO recommendation on continuity of care for a positive childbirth experience. Zugriff unter: extranet.who.int/rhl/topics/preconception-pregnancy-childbirth-and-postpartum-care/care-during-childbirth/who-recommendation-continuity-care-positive-childbirth-experience, am 20.11.2020.