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Welche Hausmittel können helfen?

01.2018
Autorin Dr. Stephanie Ruf

Zur Behandlung chronisch rezidivierender Bauchschmerzen ohne organische Ursache werden die  unterschiedlichsten Präparate empfohlen, die meisten ohne wissenschaftlichen Wirkungs-Nachweis. Unter dem Verdacht, dass ihre Effzienz wesentlich ein Placebo-Effekt ist, analysierten Schweizer pädiatrische Gastroenterologen 1072 Veröffentlichungen zum Thema Bauchschmerzen. Die meisten dieser Publikationen enthielten keine wissenschaftlich ausreichenden Daten zur Behandlungs-Effzienz [1]. In den verbliebenen 21 Arbeiten mit Placebo-kontrollierten, randomisierten Studiengruppen und klar definierten Behandlungszielen hatten insgesamt 736 Kinder ein Placebo über durchschnittlich
4 Wochen erhalten. Bei 41% von ihnen besserten sich die Beschwerden, bei 17% der Kinder verschwanden sie.

Kommentar: Ob Antidepressiva, Antiemetica, Anticholinergica, Antihistaminica, oder was auch immer den Bauchschmerzkindern verordnet wird – die Erfolgsquote muss sich an dem von  Pfefferminzbonbons oder sonstigen Placebos messen und ist dann, wie man zuletzt mit Lactobacillus reuteri erfahren musste [2], oft nicht höher als der Placebo-Effekt. Tröstlicher Weise verschwinden die meisten Bauchschmerzen früher oder später spontan – einschließlich des Colon irritabile,  charakterisiert durch wechselnde Stühle in Kombination mit chronisch-rezidivierenden Bauchschmerzen [3].
Werden rezidivierende Schmerzen in den Oberbauch lokalisiert, kann man serologisch nach einer Helicobacterpylori- Infektion fahnden [4].


Referenzen:
[1] Hoekman DR, Zeevenhooven DR, Etten-Jamaduhin FS et al. (2017) The placebo response in pediatric abdominal pain-related functional gastrointestinal disorders: A systematic review and metaanalysis. J Pediatr 182.115-163.
[2] Maragkoudaki M, Chouliaras G, Orel R et al. (2017) Lactobacillus reuteri DSM 17938 and a placebo both signifcantly reduced symptoms in children with functional abdominal pain. Acta Paediat 106: 18857-1862.
[3] Gianetti E, Maglione M, Sciorio E et al (2017) Do children just grow out of irritable bowel syndrome? J Pediat 183:122-126. [4] Raj P, Thompson JF, Pan DH (2016) Helicobacter pylori serology testing is a useful diagnostic screening tool for symptomatic innercity children. Acta paediatr 106: 470-477.

Hühnersuppe bei Erkältungen

Hühnersuppe gilt als Heilbrühe bei Erkältungen, weil sie antiinflammatorische Eigenschaften aufweisen soll. Eine Studie konnte der Brühe eine leichte Wirkung bei viralen Infekten zusprechen (1), die durch das Dipeptid Carnosin in einer weiteren Studie begründet wurde (2). Einschränkend weisen die Autoren darauf hin, dass der Effekt jedoch nur kurzfristig anhält. In der Praxis müsste also über den Tag verteilt fleißig Suppe gelöffelt werden.

Cranberries (Moosbeere) bei Harnwegsinfekt

Cranberry-Produkte sind gerade zur Prävention von Harnwegsinfekten populär. Nach einer systematischen Übersichtsarbeit von 24 Studien ist diese Wirkung zwar als schwacher Trend zu beobachten aber statistisch nicht signifikant (3). Eine andere Übersicht spricht dem Beerensaft (nicht den Tabletten) einen Effekt zu, der sich gerade bei rezidivierenden Infektionen und besonders bei Kindern und Frauen zeigt (4). Fraglich ist allerdings, ob bei Kindern ein bitter-saurer Saft Akzeptanz findet.
Vorsicht! Bei großen Trinkmengen kann es zu gastrointestinalen Beschwerden kommen und  Diabetiker sollten den Saft nur in Maßen trinken.

Honig bei Husten und zur Wundheilung

Die Evidenz pro oder contra Honig als Hustenmittel ist schwach (5). Allerdings gibt es aus Reviews viele Hinweise für die Linderung von Infektionen der oberen Atemwege durch Honig, indem sich der Husten bei den Patienten abschwächte und sie besser schlafen konnten (6, 7). Insofern kann es gerade bei Kindern mit Husten sinnvoll sein, ein Heißgetränk mit Honig anzubieten.
Reviews zur Wundheilung durch Honig überzeugen nicht, was auch an der Vielseitigkeit der untersuchten Wundformen liegen kann.
Hinweis des Autors: Honig darf erst nach dem 1. Lebensjahr angeboten werden.

Nelken / Nelkenöl

Der entscheidende Wirkstoff im Nelkenöl ist das Eugenol. In der Zahnmedizin wird die schmerzlindernde Wirkung zur Oberflächenbetäubung genutzt (vergleichbar mit Benzocain). Daneben helfe Eugenol bei gastrointestinalen Beschwerden (8).
Hinweis des Autors: Für Kinder und Schwangere ist Nelkenöl nicht geeignet.

Bananen, Ingwer & Baldrian

Bananen bei Diarrhö
Eine doppelblinde Studie an Kindern (5 - 12 Monate) in Bangladesch zeigt eine Verbesserung der Diarrhö durch den Zusatz von grünen Bananen zum Reis (9).

Ingwer bei Übelkeit
Die Daten unterstützen die Wirkung von Ingwer (vs. Plazebo bzw. vs. Vit. B6) bei Übelkeit und Erbrechen (10).

Baldrian bei Schlafstörungen
Studien weisen auf einen besseren Schlaf durch Baldriantropfen hin, jedoch ist die Aussagekraft mitunter durch methodischen Mängel begrenzt (11).


Kein
Nachweis ließ sich für Zwiebeln bei Otitis media und für Wadenwickel bei Fieber finden.

Artikel:
Dörflinger R: Hausmittel mehr als Placebo? (DFP-Literaturstudium) Ärztemagazin 2017; 2: 18- 21.

Referenzen:
(1) Rennard BO et al., Chest 2000; 118: 1150-1157
(2) Babizhayev MA et al, Am J Ther 2012; 19: e25-47
(3) Jepson RG et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2012; 10; CD001321
(4) Wang CH et al., Arch Intern Med 2012; 173: 988-96
(5) Oduwole O et al., Conchrane Database Syst Rev 2014; CD007094
(6) Paul IM et al., arch Pediatr Adolesc Med 2007; 161: 1140-1146
(7) Nitsche MP et al., Medwave 2016; 16 Suppl. 2: e6454
(8) Gratzl M et al., Gastroenterology 2007; 132: 1890-1901.
(9) Rabbani GH et al., Gastroenterology 2001; 121: 556- 560
(10) O’Donnell A et al., Health Technol Assess 2016; doi: 10.3310/hta20740
(11) Bent S et al., Am J Med 2006; 118; 1005-1012