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Welche Hausmittel können helfen?

01.2020
Autorin Dr. Stephanie Ruf, Ernährungswissenschaftlerin

Hühnersuppe bei Erkältung oder Ingwer bei Übelkeit? Helfen diese Hausmittel tatsächlich und gibt es wissenschaftliche Belege?
Dieser Frage ist u.a. das Ärztemagazin nachgegangen und wir fassen die Ergebnisse hier kompakt zusammen. Insgesamt sind die Studienergebnisse zum Thema Hausmittel aktuell nur als Hinweise zu verstehen und nicht als bewiesener Wirkmechanismus.

Hühnersuppe bei Erkältungen

Hühnersuppe gilt als Heilbrühe bei Erkältungen, weil sie antiinflammatorische Eigenschaften aufweisen soll. Eine Studie konnte der Brühe eine leichte Wirkung bei viralen Infekten zusprechen (1), die durch das Dipeptid Carnosin in einer weiteren Studie begründet wurde (2). Einschränkend weisen die Autoren darauf hin, dass der Effekt jedoch nur kurzfristig anhält. In der Praxis müsste also über den Tag verteilt fleißig Suppe gelöffelt werden.

Cranberries (Moosbeere) bei Harnwegsinfekt

Cranberry-Produkte sind gerade zur Prävention von Harnwegsinfekten populär. Nach einer systematischen Übersichtsarbeit von 24 Studien ist diese Wirkung zwar als schwacher Trend zu beobachten aber statistisch nicht signifikant (3). Eine andere Übersicht spricht dem Beerensaft (nicht den Tabletten) einen Effekt zu, der sich gerade bei rezidivierenden Infektionen und besonders bei Kindern und Frauen zeigt (4). Fraglich ist allerdings, ob bei Kindern ein bitter-saurer Saft Akzeptanz findet.
Vorsicht! Bei großen Trinkmengen kann es zu gastrointestinalen Beschwerden kommen und  Diabetiker sollten den Saft nur in Maßen trinken.

Honig bei Husten und zur Wundheilung

Die Evidenz pro oder contra Honig als Hustenmittel ist schwach (5). Allerdings gibt es aus Reviews viele Hinweise für die Linderung von Infektionen der oberen Atemwege durch Honig, indem sich der Husten bei den Patienten abschwächte und sie besser schlafen konnten (6, 7, 8). Insofern kann es gerade bei Kindern mit Husten sinnvoll sein, ein Heißgetränk mit Honig anzubieten.
Reviews zur Wundheilung durch Honig überzeugen nicht, was auch an der Vielseitigkeit der untersuchten Wundformen liegen kann.
Hinweis des Autors: Honig darf erst nach dem 1. Lebensjahr angeboten werden.

Nelken / Nelkenöl

Der entscheidende Wirkstoff im Nelkenöl ist das Eugenol. In der Zahnmedizin wird die schmerzlindernde Wirkung zur Oberflächenbetäubung genutzt (vergleichbar mit Benzocain). Daneben helfe Eugenol bei gastrointestinalen Beschwerden (9).
Hinweis des Autors: Für Kinder und Schwangere ist Nelkenöl nicht geeignet.

Bananen, Ingwer & Baldrian

Bananen bei Diarrhö
Eine doppelblinde Studie an Kindern (5 - 12 Monate) in Bangladesch zeigt eine Verbesserung der Diarrhö durch den Zusatz von grünen Bananen zum Reis (10).

Ingwer bei Übelkeit
Die Daten unterstützen die Wirkung von Ingwer (vs. Plazebo bzw. vs. Vit. B6) bei Übelkeit und Erbrechen (11).

Baldrian bei Schlafstörungen
Studien weisen auf einen besseren Schlaf durch Baldriantropfen hin, jedoch ist die Aussagekraft mitunter durch methodischen Mängel begrenzt (12).


Kein
Nachweis ließ sich für Zwiebeln bei Otitis media und für Wadenwickel bei Fieber finden. Die Wadenwickel-Anwendung (ohne Antipyretika) ist kritisch zu sehen, da der Körper zu noch mehr Wärmeproduktion animiert wird (13).

Artikel:
Dörflinger R: Hausmittel mehr als Placebo? (DFP-Literaturstudium) Ärztemagazin 2017; 2: 18- 21.

Referenzen:
(1) Rennard BO et al., Chest 2000; 118: 1150-1157
(2) Babizhayev MA et al, Am J Ther 2012; 19: e25-47
(3) Jepson RG et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2012; 10; CD001321
(4) Wang CH et al., Arch Intern Med 2012; 173: 988-96
(5) Oduwole O et al., Conchrane Database Syst Rev 2014; CD007094
(6) Paul IM et al., arch Pediatr Adolesc Med 2007; 161: 1140-1146
(7) Nitsche MP et al., Medwave 2016; 16 Suppl. 2: e6454
(8) Dorsch W. Unsinnige Husten-Therapien vermeiden. MMW - Fortschritte der Medizin March 2019, Vol. 161, Issue 4: 30–30
(9) Gratzl M et al., Gastroenterology 2007; 132: 1890-1901.
(10) Rabbani GH et al., Gastroenterology 2001; 121: 556- 560
(11) O’Donnell A et al., Health Technol Assess 2016; doi: 10.3310/hta20740
(12) Bent S et al., Am J Med 2006; 118; 1005-1012
(13) Niehues T. Das fiebernde Kind: Diagnostisches Vorgehen und Behandlung. Dt. Ärzteblatt 2013; Jg. 110, Heft 45: 764-775