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Zeckenzeit: Hohe Fehlerquote bei der klinischen Diagnostik der Borreliose

05.2018
Autor Professor J. Spranger, Universitäts-Kinderklinik Mainz

Eine singuläre, sich ausbreitende Hautrötung mit einem Durchmesser über 5 cm, d.h. ein Erythema migrans, lässt an einer Borreliose keinen Zweifel. Das Gleiche gilt für eine kleinere Rötung, die an der Stelle eines vor 1-4 Wochen erfolgten Zeckenbisses, entstand. Bei ca. 60 % der Fälle liegt jedoch kein Erythema migrans vor. Wie groß ist die diagnostische Trefferquote, wenn nur Borreliose-unspezifische Symptome vorliegen wie Fazialisparese, Meningitis, Arthritis oder diffuse Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Lymphknotenschwellung. 
In den Polikliniken von 5 großen Kinderkliniken Neuenglands wurde im Juni/Juli 2015-2017 bei 1.023 Kindern ohne Erythema migrans der Verdacht auf eine Borreliose geäußert [1]. Bei 886 Fällen lag nach Ermessen der behandelnden Ärzte nur ein geringer Verdacht auf eine Borreliose vor und dennoch erbrachte die Serologie bei 149 (15 %) positive Tests.
Umgekehrt wurde bei 39 von 127 (31 %) Fällen ein dringender Verdacht serologisch nicht bestätigt.

Kommentar: Spricht die Klinik mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine Borreliose, wird man auch ohne Laborbefund sofort behandeln, einen später eintreffenden negativen serologischen Titer hinnehmen.
Schwieriger ist die Entscheidung bei nur diskreter klinischer Symptomatik. Wie die referierte Studie zeigt, bleibt hier die Entscheidung für oder gegen eine sofortige antibiotische Behandlung eine Ermessenssache.

Referenz:
[1] Nigrovic LE, Bennett JE, Balamuth F et al. (2017) Accuracy of clinician suspicion of Lyme disease in the emergency department. Pediatrics 14: (6)e10171975.