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Penicillinallergie: Testung sinnvoll!

07.2018
Autor Prof. E. Harms, Universitäts-Kinderklinik Münster 

Mit einer Studie aus den USA wird die häufige Vermutung einer „Penicillinallergie“ von Kindern überprüft, bei negativem Ergebnis das stigmatisierende Etikett „Penicillinallergie“ entfernt und das Verschreibungsverhalten bezüglich Antibiotika im folgenden Jahr erfasst [1]. In einer Vorstudie hatten die Autoren festgestellt, dass in 76 % der Fälle schon anamnestisch die Hinweise auf eine echte Penicillinallergie sehr schwach waren.  Bei der Studienkohorte von 100 solcher Fälle hatten die Autoren nach einer einmaligen Belastung mit 500 mg Amoxicillin keine allergischen Reaktionen festgestellt. Danach wurde für ein Jahr nachverfolgt, ob und mit welchen Antibiotika die Studienteilnehmer behandelt wurden und welche unerwünschten Nebenwirkungen dabei aufgetreten waren. Zur Datensicherung wurden sowohl die Eltern als auch die behandelnden Primärärzte mit getrennten Fragebögen befragt.
Insgesamt wurden 46 Verschreibungen von Antibiotika dokumentiert, davon in 52 % Amoxicillin. Die Autoren haben dann gegengerechnet, welche Mehrkosten dadurch vermieden wurden, dass die Vermutung einer Penicillinallergie wegfiel und dadurch nicht mehr auf andere Antibiotika ausgewichen werden musste. In der Studiengruppe waren dies insgesamt 1.812 $. Die Autoren haben dies für ihre Krankhaus-Notfallsprechstunde mit 67.000 Patienten im Jahr hochgerechnet und kommen auf eine Kostenersparnis von 192.223 $ durch die Löschung des Stigmas „Penicillinallergie“.

Kommentar:
In der kinderärztlichen Notfallpraxis werden häufig Patienten vorgestellt mit dem Hinweis, dass im Übrigen eine Penicillinallergie vorliege. Bei einer erforderlichen antibiotischen Behandlung führt der Hinweis in dieser Situation fast zwingend zur Verschreibung eines teureren (Reserve-) Antibiotikums. Diese Studie zeigt, dass es sich lohnt, bei geringen Hinweisen auf eine echte Penicillinallergie dieses Etikett in Frage zu stellen und durch einen einfachen Belastungstest zu überprüfen. Ist das Stigma gelöscht, wird eine künftige antibiotische Behandlung einfacher und meist deutlich kostengünstiger.

Referenz:
[1] Vyles D , C hiu A , R outes J e t a l. ( 2018) Antibiotic Use After Removal of Penicillin Allergy Label. Pediatrics 141(5): e20173466.