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Konsum elektronischer Medien beeinträchtigt Kindesentwicklung

07.2018
Autor Professor J. Spranger, Universitäts-Kinderklinik Mainz

Das amerikanische Bundesamt für Gesundheitsstatistik veranlasste 2011-2012 eine telefonische Umfrage in 96.677 randomisiert erfassten Haushalten zur Frage eines Zusammenhangs von Kindesentwicklung und Medienkonsum. Erfragt wurde die Zeit, die jeweils ein Kind pro Haushalt am TV, mit Computer, Handy, Videospiel und anderen digitalen Medien verbrachte. Sie wurde in statistische Beziehung gesetzt zu 5 Verhaltensmerkmalen:
- Erledigung von Hausaufgaben
- Wunsch nach Anerkennung von Schulleistungen
- Arbeitskonsistenz
- Ausgeglichenheit bei Konfrontation mit neuen Aufgaben
- Lernbegier

Die Antworten der Eltern waren fünffach gestuft von ‚niemals’ bis ‚immer’. Im Ergebnis zeigte die demographisch gewichtete Auswertung von 64.464 Fragenkatalogen, dass 30,6 % der Kinder und Jugendlichen weniger als 2 Stunden, ein gutes Drittel 3-4 Stunden und 33,8 % mehr als 4 Stunden täglich an elektronischen Geräten verbrachten [1]. Zeiten an Schul-Computern waren in diesen Stunden nicht enthalten. Unter Berücksichtigung von Störvariablen wie Alter, Geschlecht, sozialem Umfeld etc. ergab sich eine umgekehrt proportional lineare Beziehung zwischen Dauer des Medienkonsums und allen 5 Verhaltensmerkmalen.
Mit anderen Worten entwickelten sich Kinder und Jugendliche umso schlechter, je länger sie zusätzlich zur Schule an digitalen Gerätschaften saßen.
Die Beziehung war statistisch hochsignifikant. Um nur ein Beispiel zu nennen sank die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder oder Jugendliche ihre Hausaufgaben erledigten, um 46 % (OR 0,54; 95 % CI 0,45- 0,65), also fast um die Hälfte, wenn sie täglich 4-6 Stunden digital zugange waren. Die anderen Verhaltensmerkmale verschlechterten sich bei ihnen in gleichem Maß.

Kommentar:
Die Fragen zur Kindesentwicklung (flourishing) beschränkten sich auf  Leistungsaspekte. Sie erlauben keinen Rückschluss auf die Gesamtentwicklung, zu der natürlich soziale, kommunikative, emotionale, intellektuelle Aspekte, Wissensbreite, -verfügbarkeit und –verarbeitung gehören. Offensichtlich wächst jedoch eine Generation junger Menschen heran mit verminderter Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit, zwei für die herkömmliche Daseinsvorsorge nützlichen Persönlichkeitsmerkmalen.

Referenz:
[1] Ruest S, Gjelsvik A, Rubinstein M, Amanullah S. (2018) The inverse relationship between digital media exposureand childhood fl ourishing. J Pediat 197:268-274.