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Bei einem Nachweis von Rotavirus-Impfviren > 7 Wochen nach der letzten Rotavirus-Impfung besteht dringender Verdacht auf Severe Combined Immunodeficiency (SCID)

08.2020
Autor Prof. E. Harms, Universitäts-Kinderklinik Münster

Zwischen 2013 und 2016 wurden von Public Health England 2637 Rotavirus-Stämme genotypisiert. Dabei fand sich zu 8% der Impfstamm G1P[8] von Rotarix. Bei nicht geimpften Kindern wurde dieser Impfstamm nicht nachgewiesen. Wie zu erwarten wurde die Ausscheidung von Impfstamm G1P[8] in den ersten Wochen nach einer Impfung beobachtet. Nur bei 13 Kindern wurde auch nach über 7 Wochen noch G1P[8] ausgeschieden. Bei 10 dieser Kinder wurde eine Severe Combined Immunodeficiency (SCID) als Ursache diagnostiziert, bei einem Patienten eine Darmobstruktion, bei zweien blieb die Ursache unklar.

Kommentar: SCID-Patienten bauen keine Immunität nach Gabe von Lebendimpfstoffen auf, so dass die Impfviren persistieren. Deshalb dürfen diese Patienten auch nie mit Lebendimpfstoffen geimpft werden. Das Problem ist nur, dass man diesen Patienten ihre Diagnose im Säuglingsalter nicht unbedingt ansieht. Umso wichtiger ist die derzeitige Einführung des allgemeinen Neugeborenenscreenings auf SCID. 

Referenz:
[1] Gower CM, Dunning J, Nawaz S et al. (2020) Vaccine-derived rotavirus strains in infants in England. Arch Dis Child 105:553–557. doi:10.1136/archdischild-2019-317428.