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COVID-19 in der Schwangerschaft – welche Erkenntnisse liegen bisher vor?

05.2020
Autorin Christina Altmann, Hebamme aus Bremen

Die Corona-Pandemie hält weiterhin die Welt in Atem. Vieles muss abgesagt, verschoben oder auf andere Weise organisiert werden. Nur eines lässt sich weiterhin nicht umplanen: Frauen sind und werden weiter schwanger und gebären ihre Kinder. Schnell kommen Fragen auf: Sind Schwangere besonders stark oder vielleicht sogar besonders wenig gefährdet? Welche Übertragungswege zum Kind gibt es? Schwangerschaft in Zeiten von COVID-19 – ein aktuelles Thema mit mehr Fragen als Antworten.

Die Daten, die bisher zum Thema Schwangerschaft und SARS-CoV2 vorliegen, stammen sämtlich aus China und sind rar gesät. Europäisches oder gar deutsches Studienmaterial wurde bisher nicht publiziert. Selbst aus China sind die Fallzahlen, die in Studien eingeschlossen wurden, sehr klein. Daher kann aktuell nicht von gesicherten Erkenntnissen ausgegangen werden. Dennoch können die bisherigen Erkenntnisse für Europa als erste Orientierung dienen, bis eine weitere Validierung stattgefunden hat.

Daten aus Wuhan (China), die bereits in europäischen Fachjournalen wie Lancet aufgegriffen wurden, zeichnen für Schwangere und Säuglinge jedoch ein hoffnungsvolles Bild: Wenn sie sich infizieren, scheinen schwangere Frauen selbst ohne jedwede antivirale Therapie relativ milde Verläufe zu haben. Die häufigsten Symptome waren Husten, Fieber, Halsschmerzen und eine milde Pneumonie. Diese beeinträchtigten jedoch nicht den Verlauf der Schwangerschaft (vgl. Ärzteblatt, 2020). Daraus kann der Schluss gezogen werden, Schwangere nicht per se als Risikogruppe zu benennen.

Eine Studie mit SARS-CoV2-positiven Schwangeren, die an der Wuhan University unter Beobachtung standen und ausführlich untersucht wurden, zeigte, dass keine vertikale, intrauterine Infektion zwischen Mutter und Kind stattgefunden hatte (vgl. GBCOG, 2020). Abstriche, die postpartal von kindlichem Material sowie aus dem kindlichen Rachen genommen wurden, waren negativ.

Londoner Ärzte berichteten im Rahmen eines Reviews von chinesischen Daten über ein gehäuftes Auftreten von späten Frühgeburten, die zwar in der Regel komplikationsarm, jedoch mit einem erhöhten Risiko für einen Kaiserschnitt auftraten (vgl. Evans et al., 2020).
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sieht jedoch keine Indikation für die Wahl des Kaiserschnitts als Geburtsmodus in Corona-Zeiten. Weder positiv-getestete Frauen noch Verdachtsfälle rechtfertigten die Sectio ohne weitere medizinische Indikation. Damit schließt man sich der Empfehlung der WHO an, die sich ohne anderslautende Indikationen für die Spontangeburt ausspricht (vgl. DGGG, 2020).

Sobald das Kind geboren wurde, besteht selbstverständlich wie bei jeder anderen Kontaktperson auch die Möglichkeit, dass das Kind sich via Tröpfcheninfektion ansteckt. Jedoch gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass vom Stillen abgesehen werden sollte. Im Gegenteil: Mutmaßlich überwiegen die Vorteile des Stillens gegenüber einer Ansteckungswahrscheinlichkeit für das Kind. Bei positiv-getesteter Mutter kann das Abpumpen und Füttern erwogen werden.

Durch die Neuartigkeit des Virus werden viele Aspekte hierzu gerade erst ergründet. Aktuell zeichnet sich jedoch ab, dass gesunde Schwangere und Stillende sowie ihre Kinder weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung.

Referenz

Das Deutsche Ärzteblatt (2020): COVID-19-Pandemie tangiert auch Schwangerschaft und Geburt. www.aerzteblatt.de/nachrichten/111201/COVID-19-Pandemie-tangiert-auch-Schwangerschaft-und-Geburt (Zugriff am 28.4.2020).

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) (2020): Empfohlene Präventionsmaßnahmen für die geburtshilfliche Versorgung in deutschen Krankenhäusern und Kliniken im Zusammenhang mit dem Coronavirus.
www.dggg.de/fileadmin/documents/Weitere_Nachrichten/2020/COVID-19_DGGG-Empfehlungen_fuer_Kreissaele_20200319_f.pdf (Zugriff am 28.4.2020).

Evans, D., Mullins, E., O’Brien, P., Viner, R.M., et al. (2020): Coronavirus in pregnancy and delivery: a rapid review. Ultrasound in Obstetrics & Gynecology. obgyn.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/uog.22014 (Zugriff am 28.4.2020).

German Board of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) (2020): FAQ für Schwangere und ihre Familien. www.dggg.de/fileadmin/documents/Weitere_Nachrichten/2020/20200320_GBCOG_FAQ_Corona.pdf (Zugriff am 28.4.2020).