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Antiseptische Behandlung von Nabelschnurresten überflüssig

04.2017
Autor Prof. E. Harms, Universitäts-Kinderklinik Münster

Die WHO empfiehlt eine trockene, offene Pflege des Nabelschnurrestes ohne die Verwendung von antiseptischen Lösungen oder Pudern. Dieses Vorgehen hat sich auch in Deutschland fast überall durchgesetzt. Nicht so in anderen Ländern, z.B. in Frankreich, wo die antiseptische Pflege des  Nabelschnurrestes die Regel ist. Aus Frankreich kommt daher auch die Studie, mit der geprüft werden sollte, ob die offene, trockene Pflege der antiseptischen unterlegen ist [1].

Die Studie wurde ineinem Crossover-Design in 6 verschiedenen universitären Entbindungsabteilungen durchgeführt, die den Gruppen randomisiert zugewiesen wurden (randomisierte Cluster-Studie). Insgesamt wurden 8698 Neugeborene > 36 SSW in die Studie aufgenommen.

Unter trockener Nabelpflege wurden 3 Fälle von Omphalitis beobachtet, unter antiseptischer Nabelpflege keiner.Trotzdem ist diese Zahl so klein, dass bei der großen Zahl der Studienteilnehmer damit statistisch kein Beweis für die Unterlegenheit der trockenen Nabelpflege geführt werden konnte. Es gibt eine Tendenz, dass bei antiseptischer Pflege die Nabelschnurreste später abfallen. Die Autoren schlussfolgern, dass unter anderem auch wegen der Kosten die trockene Nabelpflege als Routinemaßnahme zu empfehlen sei.

Kommentar: Diese Studie bestätigt, dass die trockene Pflege des Nabelschnurrestes der Pflegestandard bleiben soll. Dass darunter in der Studie 3 Fälle von Omphalitis aufgetreten sind, könnte auch an der Unerfahrenheit mit der Pflegemethode gelegen haben.

Referenz: [1] Gras-Le Guen C, Caille A, Launay E et al. (2017) Dry Care Versus Antiseptics for Umbilical Cord Care: A Cluster Randomized Trial. Pediatrics 139(1): e20161857.