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Die saubere Milchpumpe – Vermeidung von Infektionen beim Neugeborenen

05.2021
Autorin Frau Lara Mönter, Hebamme aus Köln

Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) und die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde e.V. (ÖGKJ) veröffentlichen eine Stellungnahme zur sachgerechten Reinigung von Milchpumpen als Reaktion auf Berichte von ernsten Neugeboreneninfektionen mit dem Erreger Cronobacter sakazakii.

Milchpumpen bieten Chancen
Muttermilch stellt für das Neugeborene die gesündeste Ernährungsquelle dar. In manchen Fällen ist der Gebrauch einer Milchpumpe die einzige oder eine ergänzende Möglichkeit, um ein Kind mit Muttermilch zu versorgen. Wird ein Säugling beispielsweise mit Fehlbildungen geboren oder weist eine neuromotorische Unreife auf, bietet die Milchpumpe eine Möglichkeit, dem Kind Muttermilch zu füttern, auch wenn die Fähigkeit, an der Brust zu trinken, eingeschränkt ist. Zudem nutzen manche Frauen Milchpumpen auch bei uneingeschränkten Stillbeziehungen zu späteren Zeitpunkten, um die Ernährung ihres Kindes flexibler gestalten zu können.

Neugeboreneninfektionen
Aus den USA und Australien kam es vermehrt zu Berichten von ernsten Neugeboreneninfektionen mit dem gramnegativen pathogenen Erreger Cronobacter sakazakii (Bowen et al., 2016; Sundarajan et al. 2018; McMullan et al. 2018). Als Infektionsquelle wurden verunreinigte Milchpumpen identifiziert oder verdächtigt. Die optimale Wachstumstemperatur für den Erreger liegt bei 37 bis 43 °C. Der Erreger findet daher in ungekühlter Muttermilch gute Bedingungen für ein Wachstum vor. Die minimale Wachstumstemperatur liegt bei 6 °C. Eine Kühlung im Kühlschrank und die Einhaltung einer ununterbrochenen Kühlkette kann das Wachstum daher bereits einschränken.

Kontamination durch die Milchpumpe
Einige Studien kamen zu dem Ergebnis, dass das Risiko für eine bakterielle Kontamination von abgepumpter Muttermilch im häuslichen Umfeld deutlich erhöht ist (Haiden et al. 2016; Serra et al. 2013). Als Grund dafür wird eine mangelnde Aufklärung der Eltern über die korrekte Handhabung von wiederverwendbaren Brusttrichtern vermutet. Die Stellungnahme der DGKJ und der ÖGKJ empfiehlt daher das Aushändigen von schriftlichen Anleitungen an die Eltern für das Abpumpen und die Aufbewahrung von Muttermilch sowie den hygienischen Umgang mit einem Abpumpset.

Hygieneempfehlungen für das Abpumpen im häuslichen Umfeld

  • Vor dem Abpumpen Hände gründlich mit Seife waschen und mit einem täglich frischen Handtuch abtrocknen
  • Reinigung des Pumpsets per Hand: zeitnah nach dem Pumpvorgang mit kaltem fließendem Wasser abspülen, danach Reinigung mit heißem Seifenwasser (mit etwas Geschirrspülmittel) und Abspülen mit kaltem Wasser
  • Waschbeckensiphons stellen mögliche Infektionsquellen dar, deswegen besser in einer Spülschüssel reinigen
  • Alternativ Reinigung in der Spülmaschine bei mind 65 °C, vor dem Ausräumen die Hände mit Seife waschen
  • Einmal täglich das Pumpset in der Spülmaschine (mind 65 °C), im Dampfsterilisator oder durch dreiminütiges Abkochen thermisch desinfizieren
  • Lufttrocknung des Pumpsets auf einem Papierhandtuch
  • Zusammenbauen des Sets erst nach vollständiger Trocknung
  • Pumpset sicher vor Kontamination aufbewahren

Hygieneempfehlungen für das Abpumpen im klinischen Umfeld

  • Hygienische Händedesinfektion vor dem Abpumpen
  • Pumpset auf Verunreinigungen prüfen und ggf. austauschen
  • Reinigung des Pumpsets per Hand: zeitnah nach dem Pumpvorgang mit kaltem fließendem Wasser abspülen, danach Reinigung mit heißem Seifenwasser (mit etwas Geschirrspülmittel) und Abspülen mit kaltem Wasser
  • Waschbeckensiphons stellen mögliche Infektionsquelle dar, deswegen besser in Spülschüssel reinigen
  • Nach jedem Pumpvorgang Reinigung des Bedienfelds der Pumpe mit einem Flächendesinfektionsmittel mit bakterizider und begrenzt viruzider und fungizider Wirkung (z.B. mit vorgetränkten alkoholischen Desinfektionstüchern)
  • Lufttrocknung des Pumpsets auf einem Papierhandtuch
  • Zusammenbauen des Sets erst nach vollständiger Trocknung
  • Pumpset sicher vor Kontamination aufbewahren

Sowohl im häuslichen als auch im klinischen Umfeld wird eine spezielle Reinigung der Brust über die übliche Körperhygiene hinaus und ein Wegschütten der ersten abgepumpten Tropfen Muttermilch nicht mehr empfohlen.

Fazit: 
Das Abpumpen von Muttermilch bietet vielen Mutter-Kind-Paaren die Möglichkeit, von den Vorteilen der Muttermilch zu profitieren. Unzureichende Hygiene und die Aufbewahrung von Muttermilch bergen jedoch gesundheitliche Risiken. Eine ausgiebige Aufklärung der Eltern und die Einhaltung von Hygienevorgaben im klinischen Umfeld sind daher von großer Wichtigkeit.

Referenzen:
Bowen, A., Wiesenfeld, H., Kloesz, J., Pasculle, A., Nowalk, A., Brink, L. (2017). Notes from the field: cronobacter sakazakii infection associated with feeding extrinsically contaminated expressed human milk to a premature infant – Pennsylvania, in: MMWR Morb Mortal Weekly Rep 66 (28), S. 761–762.
Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. – Frank Jochum (2020). Sachgerechte Reinigung von Milchpumpen, in: Monatsschrift Kinderheilkunde.
Haiden, N., Pimpel, B., Assadian, O., Binder, C., Kreissl, A., Repa, A. et al. (2016). Comparison of bacterial counts in expressed breast milk following standard or strict infection control regimens in neonatal intensive care units: compliance of mothers does matter, in: J Hosp Infect, 92(3), S. 226–228.
McMullan, R., Menon, V., Beukers, A., Jensen, S., van Hal, S., Davis, R. (2018). Cronobacter sakazakii infection from expressed breast milk, Australia, in: Emerg Infec Dis, 24(2), S. 393–394.