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Neue STIKO Empfehlung zur Keuchhusten-Impfung in der Schwangerschaft

05.2021
Autorin Christina Altmann, Hebamme aus Bremen

Vermehrt berichten Hebammen über Schwangere, die sich mit Fragen zur scheinbar plötzlich empfohlenen Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis) an sie wenden. Woran liegt das? Aus gegebenem Anlass ein Blick in die Welt der Impfempfehlungen.  

Plötzlich Pertussis – alles neu macht das Epidemiologische Bulletin
Etwa ein Jahr ist bereits ins Land gegangen, seit die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre aktualisierte Empfehlung zur Pertussis-Impfung für Schwangere im Epidemiologischen Bulletin (Ausgabe 13/2020) publiziert hat. Hierin ist zu lesen, dass Schwangere im 3. Trimenon eine Impfempfehlung und daraus folgend ein Impfangebot bei ihrem zuständigen Frauenarzt oder ihrer zuständigen Frauenärztin erhalten sollten. Für Schwangere, denen eine Frühgeburt droht, wird bereits das Ende des 2. Trimenons angeraten. Als optimaler Zeitpunkt wird die Vorsorgeuntersuchung zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche benannt. Die Impfung sollte in jeder Schwangerschaft durchgeführt werden. Der Abstand zwischen den Schwangerschaften sowie zu weiteren eventuell durchgeführten Pertussis-Impfungen bleibt unberücksichtigt (vgl. Vygen-Bonnet et al., 2020, A-1682 / B-1441).

Neugeborene, die jünger als zwei Monate alt sind, weisen ein erhöhtes Risiko an schweren Verläufen, Hospitalisierungen und Todesfällen durch Pertussis auf, können jedoch aufgrund fehlender Zulassung des Impfstoffes in Deutschland noch keine eigene Impfung erhalten.

Hintergrund der veränderten Empfehlung sind daher von der STIKO durchgeführte Reviews von 14 Studien aus sechs Ländern, die eine niedrige Antikörper-Konzentration gegen Pertussis bei Schwangeren gezeigt haben. Die Mütter stellen folglich keinen ausreichenden Kokon-Schutz für ihr Neugeborenes dar. Häufige Inzidenzen von Pertussis in Deutschland machten laut STIKO eine Beschäftigung mit der Thematik notwendig: Aktuell erkranken in Deutschland ca. 12.000 Personen, davon 440 Säuglinge pro Jahr.

Die gesichteten Studien wurden in Belgien, Großbritannien, Kanada, USA, Neuseeland und Vietnam durchgeführt. Untersucht wurden darin insgesamt ca. 1,4 Millionen Schwangere, wovon ca. 200.000 eine Impfung erhalten hatten. Die Impfung der Schwangeren bewirkte hohe Antikörper-Konzentrationen bei ihnen und ihren Neugeborenen, so dass von einem Schutz vor einer Keuchhusten-Infektion in den potentiell gefährlichen ersten Lebensmonaten ausgegangen werden konnte.

Negative Auswirkungen für Mütter oder Kinder wurden in diesem Review nicht festgestellt.  Daher wurde die Impfung während der Schwangerschaft von der STIKO als sicher eingestuft (vgl. STIKO, 2020, S. 16).

Da kein Einzelimpfstoff gegen Pertussis zugelassen ist, basieren alle Daten auf einer Impfung mit einem TdaP-Kombinationsimpfstoff (Tetanus/Diphterie/Pertussis: Covaxis, Boostrix). Auch in Deutschland werden die Impfungen bei Schwangeren hiermit durchgeführt.

Empfehlungen für die Schwangerenberatung – es berät, wer impft
Für alle Impfungen gilt, dass Hebammen im Rahmen ihrer länderspezifischen, jedoch im Wesentlichen gleichlautenden Berufsordnungen auf Impfungen gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes (STIKO) hinweisen müssen. Eine entsprechende Beratung und Aufklärung ist jedoch für jede Impfung von impfenden Ärztinnen und Ärzten durchzuführen.

Referenzen:
Arbeitsgemeinschaft Pertussis der Ständigen Impfkommission (2020): Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung der Pertussisimpfung mit einem Tdap- Kombinationsimpfstoff in der Schwangerschaft. Epidemiologisches Bulletin, 2020(14). S. 3–34.
Vygen-Bonnet, S.; Hellenbrand, W.; Kling, K.; Koch, J. (2020): Pertussisimpfung für Schwangere. Deutsches Ärzteblatt, 117(37), A-1682 / B-1441.