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Einfluss der Säuglingsernährung auf Wachstum und Körperzusammensetzung

01.2018
Autor Dr. J. Hower, Pädiater

Die Wachstumsmuster von gestillten und von mit Formula-Milch ernährten Säuglingen unterscheiden sich voneinander. Säuglinge, die Formula-Milchen erhalten, wachsen schneller als gestillte Säuglinge. Ziel dieser Studie war die Definition von Wachstumsmustern zur Erfassung der frühen metabolischen Programmierung im Alter von 6 Jahren und seine Auswirkungen auf die Körperzusammensetzung mit 20 Jahren.

Die gepoolten Ergebnisse der „West Australian Pregnancy Cohort (Raine) Study“ und von drei europäischen Kohortenstudien (European Childhood Obesity Trial, Norwegian Human Milk Study, and Prevention of Coeliac Disease Study) zum Stillen, zur Anthropometrie und Körperzusammensetzung wurden nach Zusammenfassung und Harmonisierung der Daten ausgewertet.

Ergebnis und Schlussfolgerungen: Vollständiges Stillen über <3 Monate im Vergleich zu ≥ 3 Monate kann mit einem schnellen Wachstum in der frühen Kindheit und der Körperzusammensetzung im Alter im jungen Erwachsenenalter (20 Jahre) assoziiert werden. Ein schnelles Wachstum im frühen Kindesalter könnte ein Bindeglied zwischen der Art der Säuglingsernährung und dem langfristigen Adipositas-Risiko sein.

Rzehak, P et al. WP10 Arbeitsgruppe des Early Nutrition Project. Am J Clin Nutr. 2017 Aug;106(2):568-580

Kommentar: Die Zunahme der Adipositas stellt ein weltweites Gesundheitsproblem dar. Untersucher gehen heute davon aus, dass die Anfänge ihrer Entstehung in das fetale Leben zurückreichen. Den frühen Lebensumständen wird deshalb eine zunehmend vermehrte Aufmerksamkeit gewidmet. Schnelles Wachstum im Säuglingsalter wird in mehreren Studien mit einem erhöhten Risiko für eine spätere Adipositas assoziiert.

Es bleibt unwidersprochen, dass Muttermilch die beste Nahrung für Säuglinge ist. Sie enthält wesentliche Elemente, Mikro- und Makronährstoffe und biologisch und immunologisch wirksame Bestandteile, die der kindlichen Entwicklung dienen.
Die auf Kuhmilch basierenden Formula-Milchen versuchen, diese Qualitäten so gut wie möglich abzubilden, damit auch die Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht gestillt werden können, sich vergleichbar gut entwickeln können.
Die Studie von Rzehak et al. konnte bestätigen, dass Formula-Milchen dazu beitragen, das kindliche und spätere Adipositas-Risiko zu erhöhen. Die bisherigen Untersuchungen sehen die Ursache im erhöhten Proteingehalt der Kuh- im Vergleich zur Muttermilch. Dies wird in aktuellen Formula-Milchen durch eine leichte Absenkung des Proteingehaltes berücksichtigt. Damit wird das Wachstum flaschenernährter Säuglinge mit dem Wachstum gestillter Kinder vergleichbar.

Ist das die Lösung der Adipositas-Epidemie? Wahrscheinlich nicht. Schnelles, akzeleriertes Wachstum in den ersten 6 Monaten wird zum Beispiel auch bei gestillten Säuglingen adipöser Mütter beobachtet. Die Wachstumsgeschwindigkeit kann dann durch die anschließende Fütterung einer Protein-reduzierten Flaschenmilch verringert und damit vielleicht die zukünftige Adipositas verhindert werden. Mit den zunehmenden Einblicken in die Pathogenese der Adipositas wird ihre Komplexität erkennbar, wobei die genetische und frühe metabolische Programmierung nur einen heute weitestgehend gesicherten Teilaspekt des gesamten Adipositas Problems repräsentieren dürfte.

Referenzen:
Rzehak, P et al. WP10 Arbeitsgruppe des Early Nutrition Project. Am J Clin Nutr. 2017 Aug;106(2):568-580
Civardi, E et al. Enteral nutrition and infections: the role of human milk. 2014 Mar; Suppl 1: S57-59
Martin, CR et al. Review of Infant Feeding: Key Features of Breast Milk and Infant Formula. Nutrients 2016 May 11; 8(5)
Haschke, F et al. Fast Growth of infants of Overweight Mothers: Can It Be Slowed Down? Ann Nutr Metab 2014; 64 (suppl 1): 19-24