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Frühgeborene nehmen mütterlichen Brustgeruch nur ungenügend wahr

08.2020
Autor Professor J. Spranger, Universitäts-Kinderklinik Mainz

Vom Geruch stimuliert, wenden sich Neugeborene ihrer natürlichen Nahrungsquelle zu, der mütterlichen Brust. Voraussetzung für diese frühe Kommunikation sind ausgereifte olfaktorische Gehirnstrukturen. Mittels Infrarot-Spektroskopie prüften schwedische Neonatologen die Aktivität verschiedener kortikaler olfaktorischer Zentren von 43 Früh- und Neugeborenen [1].
Im aktiven Schlaf wurden ihnen jeweils über 10 Sekunden Baumwolltücher unter die Nase gehalten, welche ihre Mütter zuvor über 12 Stunden an der Brust getragen hatten. Die von den Tüchern ausgehenden Gerüche aktivierten bei reifen Neugeborenen signifikant höhere Signale in mehr Geruchszentren als bei Frühgeborenen. Sehr unreife Frühgeborene (31. bis 32.Schwangerschaftswoche) zeigten keine oder nur minimale kortikale Signale bei männlichen Frühgeborenen.  

Kommentar:
Die Untersuchung dokumentiert den Reifungsprozess zentralnervöser Strukturen, mit denen Neugeborene ihre Umgebung wahrnehmen. Sie objektiviert die positiven Auswirkungen des regelmäßigen körperlichen Hautkontakts zwischen Mutter und Kind und ist somit ein Beitrag zur Physiologie der Känguru-Methode.  

Referenz:
[1] Frie J, Bartocci M, Kuhn P (2020) Neonatal cortical perceptions of maternal breast odours: A fNIRS study. Acta Paediat 102:1330-1337.