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Zöliakie-Risiko: Die Einführung von Gluten in die Säuglingsnahrung

07.2016
Autor Dr. J. Hower, Pädiater

Eine Arbeitsgruppe der European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) hat ihre Empfehlungen zur entzündlichen Darmerkrankung Zöliakie aus dem Jahr 2008 angepasst. Der für die Zöliakie relevante Genstatus ist im Säuglingsalter zum Zeitpunkt der Einführung fester Nahrung in der Regel nicht bekannt. Deshalb gelten die folgenden Empfehlungen der ESPGHAN für alle Säuglinge:

  • Brustfütterung im Vergleich zur Flaschenfütterung: Es gibt keine Hinweise für einen Unterschied im Zöliakie-Risiko zwischen Brust- und Flaschenfütterung.
  • Brustfütterung und die Einführung von Gluten in die Nahrung: Im Vergleich zur Einführung von Gluten während der Stillperiode und nach dem Abstillen zeigt sich kein Unterschied im Zöliakie-Risiko.
  • Der Zeitpunkt, zu dem Gluten in die Nahrung eingeführt wird, und die Art des Glutens scheint keine wesentliche Rolle für das kumulative Zöliakie-Risiko zu spielen.
  • Es könnte ratsam sein, die Menge des aufgenommenen Glutens in den ersten Monaten zu limitieren. Aber hierfür liegen keine belastbaren Daten vor. Empfehlungen zur Einführung von Gluten können auch bei Kindern nicht ausgesprochen werden, bei denen ein Elternteil an einer Zöliakie erkrankt ist.
  • Ein allgemeines Screening von Kindern mit einem erhöhten Zöliakie-Risiko wäre notwendig.

Referenz: Szajewska, H et al. Gluten Introduction and the Risk of Coeliac Disease: A Position Paper by the European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2016 Mar, 62(3): 507-13

Kommentar:
Zöliakie führt zur entzündlichen Atrophie der Dünndarmzotten, beeinflusst die Nahrungsaufnahme und damit auch das kindliche Wachstum und die kindliche Entwicklung. Kinder mit einer Zöliakie leiden häufig unter einer Eisenmangel-Anämie.

Diagnostik: Die Bestimmung der Tissue-IgA-Transglutaminase-Antikörper (TTG) bietet bei Verdacht auf eine Zöliakie neben der Entnahme einer Gewebeprobe eine verlässliche diagnostische Option. Ein TTG-Wert von 50 IU/ml und mehr besitzt einen prädiktiven Wert für eine Erkrankung von 100 %.

Therapie: Die Zöliakie ist bei einer Prävalenz von etwa 1 bis 3 % ein relevantes Gesundheitsproblem. Eine Primärprävention scheint nicht möglich zu sein. Die einzige Therapie ist die Vermeidung glutenhaltiger Produkte (Cerealien).
Zum Schutz der Betroffenen müssen deshalb glutenhaltige Produkte deklariert werden. Ein Glutengehalt von < 20 mg/kg wird allgemein als glutenfrei, ein Wert von < 100 mg/kg als sehr niedriger Glutengehalt definiert. Diese Schwellenwerte haben sich für die meisten Patienten mit einer Glutenallergie als nützlich erwiesen und wurden von den meisten Ländern (Europa, Kanada und die USA) in die Gesetzgebung übernommen. Wegen der Vielfalt des Glutens bleibt die Analytik der einzelnen Nahrungsmittel auf Gluten immer noch eine Herausforderung.

Die Methoden zum Glutennachweis in Nahrungsmitteln konnten in den letzten Jahren erheblich verbessert werden. Es ist aber noch nicht gesichert, ob die vorhandenen Methoden auch Verbraucher mit einem niedrigen Schwellenwert für Gluten ausreichend schützen können.

Referenzen:
Repo, M et al. Anemia and Iron Deficiency in Children with Potential Celiac Disease. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2016 Apr 11 (epub ahead of print)
Hashmi et al. Accuracy of Anti-Tissue Transglutaminase IgA Antibody in the Diagnosis of Paediatric Celiac Disease. J. Coll Physicians Surg Pak 2016 Apr, 26(4): 263-6
Silano, M, De Vincenzi, M. Bioactive antinutritional peptides derived from cereal prolamins: a review. Nahrung 1999 Jun, 43(3): 175-84
Miranda-Castro, R et al. Harnessing Aptamers to Overcome Challenges in Gluten Detection. Biosensors (Basel) 2016 Apr 20, 6(2). Pii: E 16