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Physiologisches Spucken oder gastroösophageale Refluxkrankheit?

05.2018
Autor Professor J. Spranger, Universitäts-Kinderklinik Mainz

Das Spucken und Speien des Säuglings ist physiologisch, der Übergang zur gastroösophagealen Refluxkrankheit fließend. Vertreter der amerikanischen und der europäischen Gesellschaften für Pädiatrische Gastroenterologie erarbeiteten folgende Hinweise zur Differenzierung der beiden Störungen [1]:

  • Liegen neben dem Spucken keine Besonderheiten vor, genügen die üblichen Maßnahmen wie Vermeidung von Überfütterung, Eindicken der Nahrung, Adaptation von Fütterungsmenge und -häufigkeit.
  •  Bei ausbleibendem Erfolg kann zum Ausschluss einer Kuhmilchallergie über 2-4 Wochen ein Proteinhydrolysat oder eine Aminosäuren-Formulanahrung verabreicht, bei voll gestillten Säuglingen der Mutter eine kuhmilchfreie Kost verordnet werden.

Tritt keine Besserung ein oder liegen von vornherein Warnzeichen einer gastroösophagealen
Refluxkrankheit vor, sind eingreifendere diagnostische Verfahren angezeigt.

  • Warnzeichen sind z.B. Nahrungsverweigerung, Gedeihstörung, heftiges Schreien, Blutfäden im Gespuckten, Rückenwölbung (Sandifer), Husten, Heiserkeit oder zentralnervöse Störungen.

Kurzdauernde probatorische Behandlungsversuche mit Protonenpumpenhemmern z.B. Omeprazol oder Pantoprazol, erfreuen sich zwar zunehmender Beliebtheit [2], tragen zur Differenzierung von Spucken und gastroösophagealer Refluxkrankheit jedoch nicht bei. Sie sind, wie andere Säurehemmer auch, beim physiologischen Spucken wirkungslos, entweder weil nur Milch regurgitiert wird oder die Symptome eine andere Ursache haben. Vor ihrer längeren Verabreichung, z.B. bei nicht ganz selten persistierendem Reflux [3], wird gewarnt. Neben einer Häufung bakterieller Infektionen der Atemwege und des Gastrointestinaltrakts gibt es Hinweise auf Vitamin- und Mineralmangel, Nahrungsmittelallergien und reaktiver Hyperchlorazidämie nach Absetzen der Präparate [4].

Kommentar:
In problematischen Fällen wird man das reiche Instrumentarium der pädiatrischen Gastroenterologie in Anspruch nehmen, von der drahtlosen pH-Metrie, Impedanz-pH-Metrie, zur Endoskopie mit Biopsie, assistiert von bildgebenden Verfahren. Sie ermöglichen die sichere Diagnostik der gastroösophagealen Refluxkrankheit oder der eosinophilen Ösophagitis, ihre Auswirkungen und Verlaufskontrolle. Sie schließen anatomische Defekte aus wie Ösophagusstenose, Duodenalstenose, Hiatushernie, Malrotation, allesamt vergleichsweise seltene Ursachen eines ungewöhnlich heftigen und hartnäckigen Spuckens und Speiens.

Referenzen:
[1] Rosen R, Vandenplas Y, Singendonk M et al. (2018) Pediatric gastroesophageal refl ux clinical practice
guidelines. J  Pediat Gastroenterol Nutr. Feb. Pub ahead of print.
[2] Rosen RJ, Krishnan U, Mousa H et al.(2018) The case for thoughtful prescribing of proton pump inhibitors in infants. J  Pediat Gastroent Nutr 66:3e26. 
[3] Singendonk MMJ, Tabbers MM, Beninga MA, Langendam MW (2018) Pediatric gastroesophageal refl ux disease: Systematic review on prognosis and prognostic factors. J  Pediat Gastroenterol Nutr 66:239-243.
[4] De Brunye P, Ito S (2018) Toxicity of long-term use of proton pump inhibitors in children. Arch Dis Child 103:78-82. S.a. Hipp Lit Serv 3/2014.