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Die Zusammensetzung der Mikrobiota im Stuhl gestillter Säuglinge korreliert mit der Menge an konsumierten mütterlichen Milch-Oligosacchariden

Autor Dr. J. Hower, Pädiater aus Mühlheim a.d.R.

Inwieweit unterscheidet sich das fäkale Mikrobiom gestillter (BF) Säuglinge von dem mit Formula-Milch ernährter Säuglinge (FF), und inwieweit wird die Mikrobiota gestillter Säuglinge durch Muttermilch-Oligosaccharide (HMO) moduliert.

Stuhlproben wurden von BF (n=16) oder FF (n=6) 3 Monate nach der Geburt untersucht. Muttermilch-Proben wurden am gleichen Tag genommen, an dem der Stuhl abgesetzt wurde. Die Mikrobiota von BF-Säuglingen unterschied sich von FF-Säuglingen signifikant (P = 0,005). Bifidobacterien überwogen sowohl bei BF- und bei FF-Säuglingen. Einen Unterschied in der Bifidobacterien-Häufigkeit zwischen den beiden Gruppen konnte nicht nachgewiesen werden. Die Existenz mehrerer Bakterien-Gattungen in der Säuglings-Mikrobiota konnte über das mütterliche HMO-Profil vorhergesagt werden.

Die Ergebnisse bestätigen die Beziehung zwischen HMO und der Säuglings- Mikrobiota. In künftigen Studien sollten diese Ergebnisse validiert werden, um zu bestimmen, mit welchen definierten HMO die Darmflora selektiv modifiziert werden kann.

Referenz: Wang, M et al. Fecal microbiota composition of breast-fed infants is correlated with human milk oligosaccacharides consumed. J Peiatr Gastroenterol Nutr 2015 Jun, 60(6): 825-33

Kommentar:

Die gastrointestinale (GI) Mikrobiota unterscheidet zwischen gestillten und den mit klassischen Säuglingsnahrungen gefütterten Säuglingen. Muttermilch ist reich an präbiotischen Oligosacchariden (OS) und Probiotika.

  • Präbiotische OS zählen in der Muttermilch zu den hoch-prävalenten Bestandteilen, die in der Kuhmilch fast völlig fehlen.
  • Präbiotika sind nicht verdaubare Nahrungsbestandteile, die das Wachstum und die Aktivität intestinaler bifidogener und anderer Bakterien stimulieren.

Bisher konnten sich die Fachgesellschaften noch nicht dazu entschließen, den Zusatz von präbiotischen Oligosacchariden (OS) oder Probiotika für die Standard-Formula-Milchen zu empfehlen. Trotzdem ergänzen viele Unternehmen ihre Säuglingsnahrungen mit präbiotischen OS, Galacto-Oligosacchariden, Fructo-Oligosacchariden, Polydextrose oder OS-Mischungen. Humane Milch-OS werden bisher in keiner Formula-Milch verwendet.

Es liegen aber zunehmend Daten vor, die zeigen, dass sich die Zusammensetzung der Mikrobiota von Säuglingen, die mit Präbiotika supplementierten Formula-Milchen gefüttert werden, der Mikrobiota gestillter Säuglinge nähert. Präbiotika ändern die intestinale Darm-Stoffwechselaktivität durch Verringerung des pH-Wertes im Stuhl und durch Zunahme der SCFA (short chain fatty acids – kurzkettige Fettsäuren). Sie haben eine bifidogene Wirkung und bringen Stuhlkonsistenz und Stuhlfrequenz näher an die von gestillten Säuglingen heran. Zwar gibt es nur wenige belastbare Hinweise, dass diese in der intestinalen Mikrobiota induzierten Veränderungen einen signifikanten klinischen Nutzen für das Immunsystem haben, jedoch wurden bei einigen Markern des Immunsystems interessante positive Trends beobachtet.

Fazit:

Die Formula-Nahrung für Säuglinge wird heute überwiegend mit Präbiotika angereichert, weil auch die Muttermilch OS enthält. Ob dies einen klinischen Nutzen hat, kann bisher auf Grund einiger Studien vermutet, aber noch nicht eindeutig belegt werden. Präbiotika sind sicher und bringen die Formula-Milch einen weiteren Schritt näher an den „Goldstandard“ Muttermilch.

Referenz: Vandenplas, Y et al. Oligosaccharides in infant formula: more evidence to validate the role of prebiotics. Br J Nutr 2015 May, 113(9): 1339-44