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Rohmilch – ein Risiko?

10.2015
Autorin Manuela Pinter, MSc Midwifery & Freie Hebamme, MBCP-Lehrerin

Ein Thema begegnet Hebammen in ihrer Beratungspraxis in der Schwangerschaft aber auch in der Stillzeit und in der Beratung zur Beikost immer wieder.

Die Milch – Sie gilt immer noch als ein unverzichtbares Nahrungsmittel für uns Menschen. Eine Studie aus den USA hat sich mit den durch Rohmilchverzehr verursachten Infektionen befasst. (Mungai EA, Behravesh CB, Gould LH: Emerg Infekt Dis 2015: 21: 119).

Darin wird eindeutig ein Anstieg von Lebensmittel-bedingten Krankheitsausbrüchen auf den Genuss roher Milch zurückgeführt. Rohe Kuhmilch bedeutet das Lebensmittel direkt vom Erzeuger ohne vorheriges Abkochen zu konsumieren. In vielen Bildern der tagtäglichen Werbung wird dies als äußerst gesund transportiert. Vor allem für Kinder und deren gesundem Wachstum.

Die Frage ob rohe Milch bei uns also wirklich so ein hohes Risiko darstellt und deshalb generell von einem Konsum abgeraten werden sollte, gilt es näher zu beleuchten. Die gute Nachricht ist, dass in Deutschland und Österreich die Haustierbestände frei sind von boviner Tuberkulose und von Brucellose. Rohmilch birgt zwar immer ein Infektionsrisiko; diese ist aber nicht mehr dem vor 50 Jahren gleichzusetzten.

Was bei unbehandelter Milch immer bleibt ist das Restrisiko von fäkaler Kontamination. Champhylobacteriosen, Salmonellen und STEC-Infektionen (Shigatoxin-bildende E.coli). Trotz hoher Konzentrationen nach Rohmilch-Konsum treten diese nur relativ selten auf, was auf einen kompetitiven Effekt physiologischer Rohmilchkeimflora gegenüber Pathogenen zurückzuführen sein könnte.

Für den Verkauf von Rohmilch gelten besonders strenge Hygienevorschriften. Lebensmittelkontrollen erbringen jedoch immer wieder Nachweise von Erregern. Deshalb sollten Kinder ohne ihr Wissen (und ohne Wissen der Erziehungsberechtigten) nicht roher Milch ausgesetzt werden. Für die Abgabe als so genannte Schulmilch gelten ganz besonders strenge Vorschriften und Kennzeichnungspflichten.

In den Köpfen vieler Menschen /Eltern ist immer auch eher die Sorge gesundheitliche Nachteile ohne Milchverzehr zu erlangen.

Die große in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführte GABRIELA-Studie belegt einen positiven Effekt des Rohmilch-Konsums von Schwangeren und Kleinkindern auf Atopie und Asthma im Kindesalter. (Braun-Fahrländer C. Clin.Exp.Allergy 2011; 41:29, von Mutius E; Curr Opin Gastroenterol 2012; 28:570, Loss G; Clin Immunol 2011;128:766).

Im folgendem Link sind alle wichtigen Informationen gut strukturiert ausgearbeitet: www.spektrum.de/news/die-rohmilch-machts/1184008.

Das Fazit: Unsere Lebensmittel – einschließlich Rohmilch – waren noch nie so sicher wie heute, aber ein Nullrisiko gibt es nicht. In Deutschland und Österreich gibt es dokumentierte Champhylobacter-Ausbrüche (103 Erkrankte), in Deutschland einen STEC-Ausbruch (23 Erkrankte) (Panel on Biological Hazards;EFSA Journal 2015; 13:3940).

Zur Vermeidung von Infektionen raten Expertengremien wie das
„Netzwerk Gesund ins Leben“ (gefördert vom Bundesernährungsministerium) deshalb für die Personengruppe der Schwangeren, Säuglinge und Kleinkinder vom Rohmilchkonsum oder Weichkäse aus Rohmilch ab.

Für die Hebammenberatung gilt daher vor allem in den ländlichen Gebieten auf die Gefahr von Verzehr von unbehandelter Rohmilch hinzuweisen und das Thema auch in der Ernährungsberatung von schwangeren und stillenden Müttern anzusprechen.

Quelle: Prof. Dr. F. Allerberger, Österr. Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Wien; Nutrition:News 2015:1:4-5.