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Eisen-Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern

07.2016
Autor Dr. J. Hower, Pädiater

Eisenmangel ist der häufigste Mikronährstoffmangel weltweit. Säuglinge und Kleinkinder gehören zu einer besonders gefährdeten Risikogruppe, da ihr schnelles Wachstum einen besonders hohen Eisenbedarf erfordert.
Zu den Risikofaktoren, die mit einer höheren Inzidenz einer Eisenmangel-Anämie assoziiert sind, zählen ein niedriges Geburtsgewicht, eine hohe Kuhmilchaufnahme, eine geringe Aufnahme von eisenreicher Beikost, ein niedriger sozioökonomischer Status und ein Migrationsstatus.

Das vom ESPGHAN-Komitee (The European Society for Paediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition) erstellte Positionspapier informiert über den täglichen Eisenbedarf und gibt Empfehlungen zur Korrektur des Eisenmangels bei Säuglingen und Kleinkindern.
Es gibt im europäischen Umfeld keine gesicherten Daten zur Eisensubstitution von Schwangeren, um den Eisenstatus der Neugeborenen und Säuglinge zu verbessern. Es liegen auch keine Daten vor, die für eine allgemeine Eisensubstitution von gesunden europäischen Säuglingen und Kleinkindern mit einem normalen Geburtsgewicht sprechen.

ESPGHAN-Empfehlungen:

  • Säuglinge mit einem leicht erniedrigen Geburtsgewicht von 2000 bis 2500 g sollten Eisenpräparate von 1 bis 2 mg/kg/Tag erhalten.
  • Formula-Nahrungen für Säuglinge sollten bis zum Alter von 6 Monaten mit einem Eisengehalt von 4 bis 8 mg/L (0,6 bis 1,2 mg/kg/Tag) angereichert werden.
  • Folgenahrung sollte ebenfalls mit Eisen angereichert sein, wobei noch nicht geklärt ist, in welcher Höhe dies geschehen soll.
  • Ab dem Alter von 6 Monaten sollten alle Säuglinge und Kleinkinder eisenreiche Lebensmittel und Fleischerzeugnisse und/oder mit Eisen angereicherte Lebensmittel erhalten.
  • Einfache Kuhmilch sollte nicht als Hauptmilchgetränk für Säuglinge (vor dem Alter von 12 Monaten) verabreicht werden und ihre Aufnahme sollte im Kleinkindalter auf < 500 ml/Tag begrenzt werden.
  • Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass Hochrisikogruppen, wie sozioökonomisch benachteiligte Familien und Familien mit Migrationshintergrund, zur Ernährung ihrer Kinder beraten werden.

Referenz: Domellöf, M et al. Iron requirements of infants and toddlers. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2014 Jan; 58(1): 119-29

Kommentar: Eisen ist für den menschlichen Organismus unentbehrlich und ein wichtiger Bestandteil des Hämoglobins und der Atmungskette. Darüber wird Eisen als wichtiger Co-Faktor vieler Enzymsysteme benötigt. Eisenmangel gefährdet wahrscheinlich die kindliche Gesundheit und Entwicklung. In welchem Ausmaß, können wir nicht genau sagen. Es ist immerhin erstaunlich, dass für einen Einfluss auf die neurologische Entwicklung ebenso wie auf das kindliche Wachstum bisher keine Beweise vorliegen. Auch die Antwort auf die Frage, ob es sinnvoll ist, bei allen Säuglingen und Kleinkindern ein Screening auf Eisenmangel durchzuführen, kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Einige Daten zeigen, dass die Eisen-Supplementierung bei Kleinkindern zu einer Verbesserung des Blutbildes führt. In einem aktuellen systematischen Review (Eussen et al.) wurde untersucht, wie es mit der Eisenaufnahme und dem Eisenstatus europäischer Säuglinge und Kleinkinder aussieht.  Sowohl im Säuglingsalter (6 bis 12 Monate) als auch im Kleinkindalter (12 bis 36 Monate) erreichte die tägliche Eisenaufnahme annähernd die empfohlene Menge. Dabei war jedoch die Schwankungsbreite für eine unzureichende Eisenaufnahme beträchtlich. Sie reichte von 10 % in den Niederlanden bis zu 50 % in Österreich, Finnland und Großbritannien.

Prävalenz der Eisenmangel-Anämie:

  • 6 bis 12 Monate: 2 bis 25 %. Der Mangel war besonders ausgeprägt bei Säuglingen in sozioökomischen Risikofamilien und bei Kindern, die bereits im ersten Lebensjahr normale Kuhmilch tranken.
  • 12 bis 36 Monate: 3 bis 48 %.

Für beide Gruppen war die Prävalenz in den osteuropäischen Ländern bis auf 50 % erhöht, während sie für beide Gruppen in Westeuropa unter 5 % lag.

Fazit: Trotz der niedrigen Prävalenz der Eisenmangel-Anämie in Westeuropa sollte auf einen möglichen Eisenmangel geachtet und dieser auch behandelt werden.

Referenzen:
Domellöf, M et al. Iron requirements of infants and toddlers. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2014 Jan; 58(1): 119-29
McDoanagh, MS et al. Screening and Routine Supplementation for Iron Deficiency Anemia: A Systematic Review. Pediatrics 2015 Apr; 135(4): 723-33
Eussen, S et al. Iron Intake and Status of Children Aged 6-36 Months in Europe: A Systematic review. Ann Nutr Metab 2015; 66(2-3): 80-92