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Akute Otitis media: Verkürzte Dauer antibiotischer Therapie ist nicht zu empfehlen

 04.2017
Autor Professor E. Harms, Universitäts-Kinderklinik Münster

Eine Otitis media ist die häufigste Indikation einer antibiotischen Behandlung in der frühen Kindheit. Um einer möglichen Resistenzentwicklung entgegenzuwirken, gibt es Überlegungen, die Dauer der antibiotischen Behandlung möglichst kurz zu halten.

Aus Pittsburgh/USA wird jetzt das Ergebnis einer Studie berichtet, in die 520 Kinder im Alter von 6 bis 23 Monaten mit Otitis media eingeschlossen waren [1]. Die eine Hälfte der Kinder erhielt Amoxicillin/Clavulansäure (90 mg Amoxicillin/kg KG/d) für die Standardtherapiedauer von 10 Tagen, die andere Hälfte nur für 5 Tage gefolgt von 5 Tagen Placebo. Erfasst wurden die Symptome anhand eines Symptomscores zu verschiedenen Zeitpunkten, Nebenwirkungen, Rezidive und antibiotikaresistente pathogene Keime im Nasopharyngealraum. Gemessen zwischen Tag 12 und 14 waren die noch vorhandenen Symptome schwerer bzw. ein Therapieversagen häufiger nach vorheriger Kurzzeitbehandlung. Die Häufigkeit von Nebenwirkungen und Rezidiven unterschied sich nicht zwischen den beiden Gruppen. Die nach Abschluss der Behandlung untersuchte Kolonisation des Nasen-Rachenraums auf H. influenzae und S. pneumoniae zeigte keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen, weder in der Häufigkeit dieser Keime insgesamt noch im Nachweis Antibiotika-resistenter Keime. In beiden Gruppen hatten die Kinder, bei denen am Ende der Behandlung noch ein Paukenhöhlenerguss nachweisbar war, ein höheres Risiko für Rezidive.

Kommentar: Eine 10-tägige antibiotische Standardtherapie der akuten Otitis media ist wegen des sichereren Behandlungserfolgs einer Kurzzeittherapie vorzuziehen. Die Vermutung, dass eine Kurzzeittherapie die Keimflora des Nasenrachenraums günstig beeinflusst und das Auftreten resistenter Keime reduziert, hat sich nicht bestätigt.

Referenz: [1] Hoberman A, Paradise JL, Rockette HE et al. (2016) Shortened Antimicrobial Treatment for Acute Otitis Media in Young Children. N Engl J Med 2016; 375:2446-56.