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Sprachentwicklung: Die Eltern-Kind-Kommunikation verarmt durch elektronisches Spielzeug

07.2016
Autor Prof. E. Harms, Universitäts-Kinderklinik Münster

Die sprachliche Umgebung in den ersten Lebensjahren beeinflusst die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten, die wiederum entscheidend für Bildung und beruflichen Erfolg im späteren Leben sind. Die Sprachentwicklung ist eng mit der Eltern-Kind-Kommunikation und dem Beziehungsverhalten verbunden.
Aus den USA wurde jetzt eine Kommunikationsanalyse zwischen Eltern (Vater oder Mutter) und ihrem 10 bis 16 Monate alten Kind publiziert [1].

Methode: An drei aufeinander folgenden Tagen wurden 2-mal täglich in 15-minütigen Spielsituationen die Details der Kommunikation von 26 Eltern-Kind-Paaren aufgezeichnet. Dokumentiert wurden adult words (Worte der Eltern), child vocalization (sprachähnliche Lautäußerungen der Kinder), conversational turns (Sprecherwechsel), parent responses (Antwort der Eltern) und content specific words (inhaltsbezogene Worte).
Die Spielsituationen unterschieden sich durch die Art des Spielzeugs:
1) elektronisches Spielzeug (Babylaptop, sprechende Farm oder Babyhandy) oder
2) farbiges traditionelles Spielzeug (einfaches Tierpuzzle, Formenbox, Tierbilder) oder
3) farbige Bücher mit einfachen Themen (Bauernhaus, Formen, Farben)

Ergebnisse: Bei Verwendung von elektronischem Spielzeug waren sowohl die Kommunikation der Eltern zum Kind (Anzahl und Inhaltsbezug der Worte) als auch die sprachähnlichen Lautäußerungen des Kindes und die Sprecherwechsel hochsignifikant geringer im Vergleich zur Spielsituation mit traditionellem Spielzeug oder zum Anschauen von Büchern. Am intensivsten war die gemessene Kommunikation mit Büchern, wobei hier auch die Anzahl der verwendeten inhaltsbezogenen Worte bei weitem am größten war.

Aufgrund dieser Ergebnisse rät die Autorin dringend vom Kauf von (übrigens meist teurem) elektronischem Spielzeug für Kleinkinder in der Phase des Spracherwerbs ab und empfiehlt stattdessen das Spielen mit einfachem, traditionellem Spielzeug und das gemeinsame Anschauen von Büchern.

Kommentar: Der Trend zu elektronischem Spielzeug macht auch vor Kleinkindern unter 2 Jahren nicht halt, ein kritisches Alter für den Spracherwerb. Die vorliegende Studie zeigt eindrücklich, dass die verbale Kommunikation zwischen Eltern und Kind beim gemeinsamen Spielen von der Art des Spielzeugs abhängt. Elektronisches Spielzeug schränkt diese Kommunikation ein und wirkt sich negativ auf die Sprachentwicklung aus.

Referenz: [1] Sosa AV (2016) Association of the Type of Toy Used During Play With the Quantity and Quality of Parent-Infant Communication. JAMA Pediatr 170:132-137.