Pflegeempfehlungen für gesunde Babyhaut
Babyhaut ist besonders
Bei Säuglingen ist die Hautoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht doppelt so groß und fünfmal dünner als die Haut eines Erwachsenen. Dadurch kann das Baby schneller Flüssigkeit verlieren und auskühlen. Die Temperatur- und Feuchtigkeitsregulation ist eingeschränkt, weil die Talg- und Schweißdrüsen noch nicht voll funktionsfähig, und der Gehalt der natürlichen Feuchtigkeitsbinder (Natural Moisturizing Factors) geringer, als in der Erwachsenenhaut ist. Da die Haut des Säuglings durchlässiger und der Säureschutzmantel noch nicht ausgereift ist, reagiert sie sehr viel empfindlicher auf äußere Einflüsse als die Haut von Erwachsenen. Klare Empfehlungen erleichtern die Babypflege.
Zur Hautpflege von Säuglingen gibt es zahlreiche Empfehlungen. Ein europäisches Expertengremium hat vor einigen Jahren evidenzbasierte Leitlinien für die allgemeine Babypflege von der Geburt bis zum Ende des ersten Lebensjahres entwickelt.4 In den vergangenen Jahren wurden diese Empfehlungen von Fachleuten ergänzt und bestätigt. Sie beziehen sich auf die Pflege gesunder Babyhaut, bei Hauterkrankungen kann ein abweichendes Vorgehen erforderlich sein.
Die wichtigsten Empfehlungen für die Praxis:4,5
Grundsätzlich ist das Baden für Neugeborene und Säuglinge unbedenklich und kann gegenüber dem Waschen mit dem Waschlappen bevorzugt werden, da es als schonender gilt. Darüber hinaus sind gebadete Kinder in der Regel entspannter, kühlen weniger aus und weisen einen geringeren transepidermalen Wasserverlust sowie tendenziell eine höhere Hautfeuchtigkeit auf.
- Die Badedauer sollte 5 bis 10 Minuten betragen (Wassertemperatur 37–37,5 °C & Raumtemperatur 21–24 °C) und kann 2–3 Mal pro Woche oder öfter erfolgen.
- Baden mit oder ohne Zusatz: Um den Hautreifungsprozess nicht zu beeinflussen, sollte das Badewasser entweder speziell für die Babyhaut entwickelte, flüssige Reinigungsprodukte (keine Seife) oder keine Zusätze enthalten. Die Reinigungspräparate beeinflussen nicht den natürlichen Reifungsprozess der Hautbarrierefunktion. Studien zeigen, dass speziell für Babyhaut entwickelte Reinigungspräparate gut toleriert werden.3
- Nach dem Baden das Baby unmittelbar mit einem Handtuch bedecken und sanft trockentupfen. Direkt im Anschluss empfehlt sich (bei trockener Haut) das Auftragen eines milden Babypflegeprodukts – mindestens zweimal pro Woche dünn verteilt. Bei vorübergehender Trockenheit kann auch ein Babyöl helfen. Speiseöle sind hingegen nicht geeignet, da sie die Hautbarriere negativ beeinflussen können.²
- Reinigungstücher können von Geburt an und bei jedem Windelwechsel verwendet werden.
Was macht ein gutes Baby-Pflegeprodukt aus?3,5,6
Die Haut von Säuglingen erfordert eine besonders milde Pflege, die sich auf essenzielle Inhaltsstoffe beschränkt und frei von überflüssigen Zusätzen ist. Dies ist wichtig, um das natürliche Gleichgewicht der Haut zu bewahren. Ein Allergierisiko stellen unter anderem ätherische Öle oder auch bestimmte Konservierungsstoffe, wie Parabene dar. Um die Haut möglichst wenig zu belasten, sollten Produkte zudem auf PEG-Emulgatoren, Alkohol (Ethanol) und Seifen (greifen Säureschutzmantel an) verzichten. Pflegeprodukte für empfindliche und trockene Haut enthalten idealerweise natürliche und zugleich pflegende Inhaltsstoffe, wie beispielsweise Mandelöl oder Sheabutter sowie feuchtigkeitsversorgende wie Glycerin. Empfehlenswert ist es zudem auf Produkte mit verlässlichen Qualitätssiegeln zu achten, wie dem des Deutschen Allergieund Asthmabundes (DAAB), da diese strengen Anforderungen an die Auswahl und Verträglichkeit der Inhaltsstoffe erfüllt.
Hautpflege bei trockener/zu Neurodermitis neigender Haut1,2
Neurodermitis ist mit einer Prävalenz von 10–15 % die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter.5 Die Ursachen werden multifaktoriell beschrieben und umfassen unter anderem eine genetische Veranlagung, eine gestörte Hautbarriere sowie Veränderungen des Immunsystems. Da eine geschwächte Hautbarriere häufig durch sehr trockene Haut und äußere Einflüsse begünstigt wird, empfiehlt sich eine regelmäßige Pflege mit Produkten, die sowohl Feuchtigkeit als auch Fett spenden, um die Hautbarriere in Ihrer Reifung zu unterstützen. Säuglinge ohne genetischer Disposition zu atopischer Dermatitis können, laut einer kürzlich durchgeführten Studie, besonders von einer regelgemäßen Hautpflege profitieren.5 Grundsätzlich sollten bei der Auswahl der Pflegeprodukte, neben den Inhaltsstoffen, der individuelle Hautzustand und die Jahreszeit berücksichtigt werden.
Literatur:
1 Blume-Peytavi, U., Wilborn, D., Amin, R., & Kottner, J. (2023): Skin Care in Neonates and Infants: A Scoping Review. Skin Pharmacology and Physiology, 36(2), 51–66
2 AWMF (2023): S3-Leitlinie: Atopische Dermatitis. AWMF-Register-Nr. 013/027; aufgerufen am 1.12.2025; www.awmf.org/leitlinien/
3 AWMF (2022): Betreuung von Neugeborenen in der Geburtsklinik. AWMF-Register-Nr. 024/005. Klasse: S2k; aufgerufen am 1.12.2025 www.awmf.org/leitlinien/
4 Blume-Peytavi, U., et al. (2016): Recommendations from a European Roundtable Meeting on Best Practice Healthy Infant Skin Care. In: Pediatric Dermatology, 33(3), S. 311–321.
5 Abeck (2016): Neue Empfehlungen zur Säuglingspflege. Zeitschrift Die Hebamme; 29: 303–306
6 Eric L. Simpson, MD, MCR1, LeAnn C. Michaels et al (2025): Emollients to Prevent Pediatric Eczema: A Pragmatic and Decentralized Randomized Clinical Trial; JAMA Dermatology. 161(9): 957–965