Die Entwicklung der Darmmikrobiota
Die bakterielle Besiedelung des Gastrointestinaltraktes trägt zur Prägung und Reifung des Immunsystems im Säuglingsalter entscheidend bei. Neben kurzfristigen Auswirkungen wie der Häufigkeit von Infektionen, wirkt sich die Entwicklung der Darmmikrobiota auch langfristig auf die Entstehung von z. B. allergischen, metabolischen oder entzündlichen Erkrankungen aus.1 So stellt eine gesunde Darmmikrobiota die Weichen fürs ganze Leben.
Wann beginnt die Besiedelung des Darms?
Neueste Forschungsergebnisse gehen davon aus, dass die erste mikrobielle Besiedelung des Darms während der Geburt erfolgt.2 Dabei können ein Kaiserschnitt (verglichen mit vaginaler Geburt) und Antibiotikagabe zu einer abweichenden Besiedelung führen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist anschließend die Ernährung.1
Muttermilch – ein synbiotisches Lebensmittel
Muttermilch ist die optimale Ernährung für Säuglinge. Neben vielen wertvollen Inhaltsstoffen sind u. a. die probiotischen Bakterien und die präbiotischen Oligosaccharide an der Ausbildung einer gesunden, physiologischen Darmmikrobiota beteiligt.3 Die Kombination aus beiden wird als Synbiotik bezeichnet.
Pro- und Präbiotika in Säuglingsnahrungen
Um nicht gestillten Kindern einen zumindest ansatzweise ähnlichen Vorteil zu verschaffen, sind auch kommerzielle Säuglingsnahrungen mit Prä- und/oder Probiotika angereichert. Da vergleichende Untersuchungen fehlen, ist es entscheidend, welche Nachweise die Hersteller in klinischen Studien für Sicherheit und Nutzen ihrer Produkte zeigen konnten.
Expertenmeinungen
Als internationales Expertengremium meldete sich erneut die ESPGHAN zum Thema Prä- und Probiotika in Säuglingsnahrungen zu Wort. Sie kam in verschiedenen Reviews zu dem Schluss, dass die sich am Markt befindlichen pro-, prä- und synbiotischen Säuglingsnahrungen sicher sind und keine negativen Effekte von ihnen ausgehen. Auch wenn die Anzahl an Wirksamkeitsstudien in den letzten Jahren gestiegen ist, werden weiterhin Studien mit einem deutlichem Nutzennachweis gefordert.4
Wirksamkeitsstudien mit Anfangs- und Folgenahrungen
Für die in der HiPP COMBIOTIK® verwendete Kombination von probiotischen L. fermentum CECT 5716 und präbiotischen Galactoologosacchariden (GOS) liegen aktuell mehrere Studien vor, die so genannten GOLF-Studien. Sie konnten sowohl positive Effekte auf die Darmmikrobiota und das Immunsystem zeigen als auch eine geringere Anzahl von Infektionen der Atemwege und des Gastrointestinaltraktes.
In GOLF I war die Interventionsnahrung eine Folgenahrung. Es konnte eine Erhöhung von Bifidobakterien (+70 %) und Laktobazillen (+78 %) gezeigt werden. Die Zahl der oberen Atemwegsinfektionen war signifikant um 26 % reduziert, die der gastrointestinalen Infektionen sogar um 46 %.5
GOLF II untersuchte die Verwendung einer Anfangsnahrung. Hier zeigte sich ein noch größerer Effekt bei den gastrointestinalen Infektionen, eine signi kante Reduktion um 71 %.6 Nach 3 Jahren zeigte sich im Follow-up dieser Studie, dass es keine Unterschiede bzgl. anthropometrischer Daten, Infektionsrisiko und Mikrobiotadaten gab. Die Langzeitsicherheit wurde damit bestätigt.7
Die aktuelle Studie – GOLF III – untersuchte sowohl Anfangs- als auch Folgenahrung. Durch die Prä- und Probiotika GOS und L. fermentum sorgte die Nahrung für eine Darmmikrobiota ähnlicher der gestillter Säuglinge.8 Zusätzlich war die Zahl der Infektionen der unteren Atemwege signifikant um 23 % reduziert. Die Inzidenz befand sich hier auf dem Niveau der Referenzgruppe der gestillten Säuglinge.9
Fazit
Eine gesunde Darmmikrobiota sorgt von Beginn an für eine gute Entwicklung des Immunsystems und der Gesundheit. Synbiotische Säuglingsnahrungen sind sicher und berücksichtigen Erkenntnisse aus der Muttermilchforschung. Sie können die Darmmikrobiota und das Immunsystem positiv beeinflussen und damit die Anzahl an Infektionen reduzieren.
Literatur:
1 Maasjosthusmann P Monatsschr Kinderheilkd 2025; 173: 646–653.
2 Kennedy KM et al. Nature 2023; 613: 639–649.
3 Haiden N Kinder- und Jugendarzt 2025; 56: 481–488.
4 Dinleyci E et al. JPGN 2025; 1–16.
5 Maldonado J et al. JPGN 2012; 54: 55–61.
6 Gil-Campos M et al. Pharm Res 2012; 65(2): 231–8.
7 Maldonado J et al. Pharmacol Res 2015; 95-96: 12–19a.
8 Lagkouvardos I et al. Am J Clin Nutr 2023; 117 (2): 326–339.
9 Piloquet H et al. Am J Clin Nutr 2024; 119(5):1259–1269.
Wichtiger Hinweis: Stillen ist die beste Ernährung für einen Säugling. Säuglingsanfangsnahrung sollte nur auf Rat von medizinischem Fachpersonal verwendet werden.