Frühe komplette Milchernährung bei Frühgeborenen hat keine negativen Folgen
02.2026
Autor Dr. Martin Claßen, Bremen
Der richtige Zeitpunkt des Beginns der oralen Milchzufuhr und die Schnelligkeit des Nahrungsaufbaus bei Frühgeborenen werden in verschiedenen Kliniken immer noch unterschiedlich festgelegt. Argumentiert wird einerseits mit dem Risiko der Entwicklung einer nekrotisierenden Enterokolitis (NEC), anderseits mit den Risiken der intravenösen Flüssigkeitszufuhr.
Eine große randomisierte multizentrische Studie in Großbritannien hat nun an 2088 Frühgeborenen (1761 Mütter) mit einem Gestationsalter zwischen 30 + 0 und 32 + 6 SSW die komplette Ernährung mit oraler Milch ab Tag 1 verglichen mit der traditionellen, langsamen Steigerung der oralen Milchmengen, ergänzt durch intravenöse Flüssigkeit. Begonnen wurde innerhalb von 3 Stunden nach Geburt. Als Verlaufsparameter wurden erfasst: Dauer des stationären Aufenthalts, Häufigkeit von Hypoglykämien oder NEC.
Das mittlere Geburtsgewicht lag in beiden Gruppen gleich (1626 g in der Gruppe, die Milch ab Tag 1 bekam, 1617 g in der Kontrollgruppe). Die Dauer des stationären Aufenthaltes unterschied sich nicht signifikant (32,4 Tage [SD 13,3] in der Interventionsgruppe versus 32,1 Tage [SD 13,5]). Die Häufigkeit einer NEC lag bei 4 [0,4 %] von 1030 versus 6 [0,6 %] von 1027; und die Zahl von Blutzuckerwerten < 2,2 mmol/l lag bei 0,6 [SD 1,0] versus 0,5 [0,7].
Referenzen:
Ojha S, Beardsley A et al. Full exclusively enteral fluids from day 1 versus gradual feeding in preterm infants (FEED1): an open-label, parallel-group, multicentre, randomised, superiority trial. The Lancet Child Adolesc Health 2025,9: 827–836. DOI: 10.1016/S2352-4642(25)00271-8