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Die Geschmacksakzeptanz von Kleinkindern hängt nicht von der Methode der Beikosteinführung ab

02.2026
Autor Dr. Martin Claßen, Bremen

Die Geschmacksakzeptanz von Säuglingen und Kleinkindern hängt unter anderem von frühen sensorischen Erfahrungen ab, die bereits intrauterin über das Fruchtwasser, dann bei gestillten Kindern über die Muttermilch vermittelt werden – beides beeinflusst durch die Ernährung der Mutter. Über die Frage, wie man eine möglichst breite Akzeptanz verschiedener Geschmacksrichtungen, Nahrungsmittel und Texturen von Nahrungen früh im Leben etablieren kann, wird immer noch diskutiert. Dabei wird der traditionellen, durch die Nahrungsauswahl der Eltern bestimmten Fütterung von Breimahlzeiten das „Baby Led Weaning“ gegenübergestellt, bei dem die Kinder in einem interaktiven Prozess mitbestimmen können.

Eine prospektive brasilianische Studie hat nun 140 Kinder im durchschnittlichen Alter von 5,5 Monaten randomisiert, um entweder eine elternbestimmte Beikosteinführung (Parent Led Weaning – PLW) n = 45, eine durch das Baby bestimmte Einführung von fester Nahrung (Baby-Led Introduction to SolidS – BLISS) n = 48 oder einen gemischten Ansatz (PLW und BLISS) n = 47 zu bekommen. Im Alter von 12–35 Monaten wurden durch einen Fragebogen (n = 132) und durch einen Geschmacksakzeptanztest (n = 92) die Nahrungs- und Geschmackspräferenzen überprüft. Bei der Prüfung von saurem, süßem, salzigem, bitterem und würzigem Geschmack gab es nur für Sauer eine höhere Präferenz in der gemischten Gruppe, die nach Adjustierung auf Kovariablen nicht mehr signifikant blieb. Damit ist die Methode der Einführung von Beikost ohne wesentlichen Einfluss auf die Akzeptanz von Geschmacksvarianten.

Kommentar: In der Zeitphase der Einführung von Beikost besteht eine große Chance, bei Kindern die Basis für eine Akzeptanz einer vielfältigen und gesunden Lebensmittelauswahl zu legen. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sprechen dafür, dass eine dogmatische Diskussion über die richtige Methode nicht sinnvoll ist. Vielmehr sollte individuell nach den Voraussetzungen der Kinder und der Familien geschaut werden, ob eher die Eltern die Vorgaben für die Löffelfütterung machen oder vorwiegend die Kinder bestimmen sollten, was sie in den Mund stecken und essen möchten.

Ganz entscheidend ist es, eine positive Atmosphäre bei den möglichst gemeinsamen Mahlzeiten zu schaffen. Dabei sollten Ablenkungen durch Medien vermieden werden und auch keine gesüßten oder gesalzenen Lebensmittel angeboten werden. Pflanzliche Nahrungsmittel sollten bevorzugt werden, und als Idealbild kann die mediterrane Mischkost dargestellt werden.

Gut gefallen hat mir insbesondere das Ergebnis der Studie, dass die gemischte Methode genauso gute Ergebnisse erbracht hat wie die beiden anderen Methoden.

Referenzen:
Neves RO, Magalhães EIdS, Ficagna CR, Moreira PR, Sanini Belin CH, Silveira LdO et al. (2025). Do children allocated to different methods of complementary feeding introduction have distinct food preferences and flavor acceptance in the first years of life? A randomized clinical trial. PLOS One 20(11): e0335592. DOI: 10.1371/journal.pone.0335592

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