Wie neue Leitlinien die Entwicklung von IgE-vermittelten Nahrungsallergien beeinflusst haben
02.2026
Autor Dr. Martin Claßen, Bremen
IgE-vermittelte Nahrungsproteinallergien sind die häufigste Ursache für Anaphylaxie und müssen deswegen mit allen Mitteln vermieden werden. Nachdem man über viele Jahre versucht hat, durch längere Karenz eine Sensibilisierung gegen die Allergene zu verhindern, wurde klar, dass diese Strategie nicht erfolgreich war (auch weil andere Sensibilisierungswege, zum Beispiel über die Haut, nicht vermieden werden können). Seit der LEAP-Studie1 gilt, dass auch potente Allergene, wie Erdnuss, früh im Säuglingsalter oral zugeführt werden sollten.
Diese Erkenntnisse haben in den USA zu veränderten Leitlinien zur Einführung von Erdnuss geführt. Ab 2015 galten diese für Kinder mit atopischer Dermatitis oder Hühnereiallergie, ab 2017 auch für Kinder mit moderatem Risiko, ab 2021 für alle Babys, unabhängig vom Nahrungsallergierisikoprofil.
Bisher war unklar, inwiefern dies zu veränderten Inzidenzen für Allergien geführt hat. In der vorliegenden Studie wurde anhand von Daten eines Registers aus 31 Praxen an verschiedenen Orten der USA nach Kindern mit Nahrungsmittelallergien, insbesondere Erdnuss, und atopischer Dermatitis gesucht. Es wurden drei Kohorten unterschieden, die erste mit Kindern, die vor der Änderung der Leitlinie („preguideline“) geboren waren, die zweite („postguideline“) von 2015–2017 und eine dritte nach Erweiterung der Guideline („post-addendum“).
38.594 Kinder wurden in der ersten, 46.680 in der zweiten und 39.594 in der dritten Gruppe insgesamt erfasst. Die meisten Kinder der ersten beiden Gruppen wurden über 2 Jahre verfolgt, die dritte Gruppe naturgemäß nur über 1 Jahr. Die Inzidenz einer Erdnussallergie betrug in der Preguideline-Gruppe 0,79 %, in der Postguideline-Gruppe 0,53 % und in der Postaddendum-Gruppe 0,49 %. Auch für andere Nahrungsmittelallergien (Hühnerei, Kuhmilch, Baumnüsse ...) lagen die Zahlen in den beiden Gruppen mit früher Zufuhr der Allergene niedriger. Der Unterschied fiel bei Kindern mit manifester atopischer Dermatitis weniger deutlich aus.
1Du Toit G, Sayre PH, Roberts G et al; Immune Tolerance Network LEAP-On Study Team. Effect of Avoidance on Peanut Allergy after Early Peanut Consumption. N Engl J Med. 2016;374(15):1435–1443. DOI: 10.1056/NEJMoa1514209
Referenzen:
Gabryszewski SJ, Dudley J, Faerber JA et al. Guidelines for Early Food Introduction and Patterns of Food Allergy. Pediatrics November 2025; 156(5): e2024070516. DOI: 10.1542/peds.2024-070516