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So lassen sich Kinder an eine abwechslungsreiche, pflanzenbasierte Ernährung gewöhnen

05.2026
Autor Dr. Martin Claßen, Bremen

Die ersten 12 bis 24 Lebensmonate bilden ein wichtiges Zeitfenster für die Gewöhnung an ein gesundes, abwechslungsreiches Nahrungsspektrum. In den Praxen klagen Eltern immer wieder über die Ablehnung „gesunder“ Nahrungsmittel durch ihre Kinder. Wie es gelingen kann, pflanzenbasierte Nahrungsmittel erfolgreich einzuführen, hat eine Forschergruppe aus Colorado, USA, mit Artischocken prospektiv an 59 Kindern mit einem mittleren Alter von 11 Monaten (41 % weibl.) erprobt. Es wurden 3 verschiedene Expositionsschemata miteinander verglichen: I. 10 Expositionen innerhalb von 2 Wochen (Standard); II. 5 Expositionen über 2 Wochen, dann 2 Wochen Pause, gefolgt von erneut 5 Expositionen über 2 Wochen (Pausenschema); oder III. 10 Expositionen über 6 Wochen (ausgedehntes Schema). Verglichen wurden die Mengen an Artischocken, die zu Beginn und am Ende der Studie verzehrt wurden (mit Korrektur auf Alter und Geschlecht).

54 Babys beendeten mit ihren Müttern die Studie (Gruppe I n=17; Gruppe II n=20, Gruppe III n=17). Während bei Studienbeginn der Verzehr nicht differierte, fand sich in der Standardgruppe I keine wesentliche Veränderung (26,8  22,9 g). Hingegen steigerte sich in den beiden Gruppen mit längerem Schema der Verzehr signifikant (p = 0.024): in der Gruppe II mit Pause von 21,1 g auf 43,6 g, bei der Gruppe III mit prolongierter Exposition von 20,7 g auf 33,6 g.

Kommentar: Die Periode der Beikosteinführung vom 6. Lebensmonat bis zum 2. Geburtstag beinhaltet die große Chance, die Kinder an eine gesunde, abwechslungsreiche und vorwiegend pflanzenbasierte Kost heranzuführen. Dass sich dies nicht bei allen Kindern einfach darstellt, hören wir tagtäglich in den Sprechstunden. Die Ablehnung unbekannter Geschmäcker, Gerüche und Nahrungstexturen stellt ein grundsätzlich entwicklungsgerechtes Verhalten dar, das mit der zunehmenden Autonomieentwicklung und einer gewissen Neophobie zusammenhängt. Bekannt ist bereits, dass ein breites Nahrungsspektrum der Mutter während der Schwangerschaft und der Stillperiode durch den Transfer von Aromen über das Fruchtwasser resp. die Muttermilch die Akzeptanz vieler Nahrungsmittel bei Beikosteinführung fördert.

Die hier vorgestellte Studie aus den USA zeigt, dass der „lange Atem“ und die Ausdauer bei der Fütterung neuer Geschmäcker wichtiger sind als viele Expositionen in kurzer Zeit. Eltern sollten motiviert werden, sich nicht von einer ersten Ablehnungsreaktion ihrer Kinder entmutigen zu lassen, sondern langfristig und wiederholt Nahrungsmittel anzubieten und dabei natürlich pflanzliche Nahrungsmittel zu bevorzugen.

Referenzen:
Shapiro, A. L. B., Barrett, K., Tanner, B. et al. (2026) Children's Introduction to Novel Plant-Based Foods through Varying Repeated Exposure Schedules. The Journal of Pediatrics, 2026, 294. DOI: 10.1016/j.jpeds.2026.115082

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