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Mit einer App der Obstipation beikommen

05.2026
Autor Dr. Martin Claßen, Bremen

Eine funktionelle Obstipation (z. T. assoziiert mit Stuhlinkontinenz) gehört mit einer Prävalenz von bis zu 14 % zu den häufigsten Gründen, eine Kinderarztpraxis anzusteuern. Die Behandlung umfasst eine ausführliche Beratung mit Anwendung von Informationsmaterial sowie die Gabe von Stuhlweichmachern und bei älteren Kindern auch Toilettensitzungen. Um die Effektivität der Behandlung zu verbessern, hat eine Arbeitsgruppe aus Danzig in einer prospektiven randomisierten Studie eine neue programmierte App getestet, die sowohl den Kindern als auch den Familien wesentliche Informationen zu chronischer Verstopfung vermittelt und darüber hinaus ein Behandlungstagebuch und Stuhlentleerungsprotokoll, Spiele mit Punktesystemen sowie Hinweise zur Anpassung der Macrogol-Dosis zur Verfügung stellt. Enthalten war auch ein Modul zur psychologischen Unterstützung, um mit häufigen Gefühlen wie Scham oder Angst vor der Stuhlentleerung umgehen zu lernen. Die Kontrollgruppe erhielt die gleichen Informationen in Form einer gedruckten Broschüre.

Randomisiert wurden insgesamt 100 Kinder zwischen 4 und 16 Jahren, Median 6 J.; 61 % waren männlich. Rund die Hälfte war seit > 12 Monaten obstipiert. 40 % bekamen bereits Macrogol, 7 % diätetische Therapie, 47 % keine Therapie.

68 Kinder, 35 in der Interventionsgruppe, 33 in der Kontrollgruppe, beendeten die Studie (Dauer 6 Monate), die meisten Drop-outs gab es bei den Jugendlichen. Der Erfolg wurde mit dem PedsQL-3.0-Fragebogen erfasst, der eine numerische Auswertung mittels eines Punktesystems ermöglicht. Am Ende konnten 65 Fragebögen von Eltern und 48 von Kindern ausgewertet werden.

In der Interventionsgruppe wurde sowohl von den Kindern im Mittel eine Besserung der Symptomscores um 21,4 Punkte, in der Kontrollgruppe um 12,3 Punkte berichtet (p = 0,014). Insbesondere in den Kategorien „Gas und Blähungen“ und „Verstopfung“ zeigte die Interventionsgruppe deutliche Verbesserungen. Die Einschätzung der Eltern ergab einen Rückgang der Symptomscores von 22,3 in der Interventions- und 14,8 in der Kontrollgruppe (P = 0,015). 

Kommentar: Die funktionelle chronische Obstipation begegnet uns täglich. Die Behandlung erweist sich oft als langwierig, zäh und nicht immer effektiv. Wesentliche Punkte einer erfolgreichen Therapie sind das Verständnis der Kinder und Eltern für die Ursachen, eine langfristige Motivation und die konsequente Adherence für therapeutische Maßnahmen, insbesondere die Einnahme von Macrogol. All diese Faktoren scheinen durch die App günstig zu beeinflussen zu sein. Sie wirkt offensichtlich auch durch verbesserte Selbstwahrnehmung und bestärkte Eigenmanagement-Kompetenzen.

Das Beispiel zeigt, dass wir ungeachtet unseres Kampfes gegen allzu viel Bildschirmzeit von Kindern auch elektronische Medien zur Wissensvermittlung in Betracht ziehen sollten – viele andere Indikationen kämen in Frage. Allerdings müssen die Inhalte evidenzbasiert sein und sollten auch in Studien wie der vorliegenden überprüft werden. Offensichtlich ist gerade der eHealth-Bereich anfällig für Scharlatanerie.

Gut gemachte Apps können helfen, Familien und Kinder als kompetente Partner in die Behandlung aktiver einzubeziehen und die Selbstmanagementfähigkeiten zu verbessern. Gedruckte Broschüren sind out! Der einzige Nachteil aktuell: Die App zur Obstipation ist bisher nicht auf Deutsch verfügbar.

Referenzen:
Leszkowicz, J., Nazar, W., Wysokińska-Zakrzewska, K. et al. (2025). Mobile app improves treatment of functional constipation in children: a randomized single-blind study. BMC Pediatrics, 2025, 980. DOI: 10.1186/s12887-025-06385-y

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