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Ernährung in den ersten 1000 Tagen: Zehn Praktiken zur Minimierung der Adipositas

01.2018
Autor Dr. J. Hower, Pädiater

Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter hat in den letzten Jahrzehnten in den meisten Ländern zugenommen. Vereinfacht kann Fettleibigkeit als Ergebnis eines Ungleichgewichts zwischen Energiezufuhr und Energieaufwand angesehen werden.

Kann die frühkindliche Ernährung das spätere Adipositas-Risiko senken?
Die ersten 1000 Lebenstage beginnen mit der Schwangerschaft und bieten bereits in dieser Periode eine einzigartige Gelegenheit, einen Präventions-Beitrag zu leisten. Unter Berücksichtigung der aktuellen Literatur haben die Autoren einer mediterranen Ernährungsgruppe 10 Praktiken zur Minimierung der Fettleibigkeit in den ersten 1000 Tagen ausgearbeitet und diskutiert.

  1. Sowohl mütterliches, als auch väterliches Verhalten sind wichtig. Eine ausgewogene Ernährung, mit angemessener Fett- und Eiweißzufuhr und der Bevorzugung von Obst und Gemüse, wird für beide Elternteile während der Empfängnis und der Schwangerschaft empfohlen. Außerdem sollten übergewichtige/fettleibige Frauen, die planen, schwanger zu werden, ihr Gewicht vor der Empfängnis reduzieren.

  2. Kontrolle der Entwicklung. Während der Schwangerschaft, zur Geburt und im frühen Kindesalter sind Kontrollen der Körpermaße von entscheidender Bedeutung zur Überwachung der Normalität von Wachstum und Entwicklung.

  3. Stillen für den besten Start ins Leben. Ausschließliches Stillen wird postpartal bis zum Alter von sechs Monaten empfohlen.

  4. Die Einführung fester Nahrung. Das Alter von vier bis sechs Monaten bietet ein optimales Zeitfenster zur Einführung fester Nahrung. Bis zum Alter von einem Jahr ist Muttermilch oder Folgemilch die wichtigste empfohlene Nahrungsquelle. Einfache Kuhmilch sollte bis zum Alter von einem Jahr vermieden werden.

  5. Frühzeitige Einführung von Obst und Gemüse. Tägliche Vielfalt, in den Mahlzeiten und wiederholter Kontakt mit Nahrungen, die verweigert wurden, sind wirksame Strategien, um deren Akzeptanz zu erhöhen. Es besteht keine Notwendigkeit, der Diät Zucker, zuckerhaltige Flüssigkeiten oder Salz hinzuzufügen.

  6. Respektieren Sie den Appetit Ihres Kindes. Vermeiden Sie Zwangsernährungspraktiken wie "mach Deinen Teller sauber". Passen Sie die angebotenen Portionen der Nahrungsart an und verwenden Sie keine Nahrung zur Belohnung für gutes Verhalten.

  7. Die Begrenzung der Aufnahme tierischer Eiweiße. Die Aufnahme von tierischem Eiweiß sollte vor allem im frühen Säuglingsalter eingeschränkt werden, um das Risiko einer frühzeitigen Adipositas zu verringern. Die Kinder-Milch für Kinder zwischen einem und drei Jahren sollte der einfachen Kuhmilch vorgezogen werden, um den Bedarf an Mikro- und Makronährstoffen wie z. B. Omega-3-Fettsäuren und Eisen zu decken.

  8. Sicherung der Aufnahme hochwertiger Fette. Die Aufnahme von ausreichendem Fett, das essentielle Fettsäuren enthält, sollte gefördert werden.

  9. Die Vorbildrolle der Eltern. Die Eltern sollten Vorbilder bei der Einnahme von Mahlzeiten sein, wobei Fernseher und andere Bildschirme während der Mahlzeiten ausgeschaltet bleiben sollten.

  10. Die Förderung körperlicher Aktivität und eines ausreichenden Schlafes. Eine kurze Schlafdauer erhöht das Adipositas-Risiko.


Die Autoren halten konzertierte Anstrengungen aller an der kindlichen Entwicklung Beteiligten im Bereich der öffentlichen Gesundheit für notwendig, um die steigende Prävalenz der Fettleibigkeit über Ernährung und körperliche Aktivität zu verringern.

Kommentar: Die Ursachen der Adipositas-Epidemie sind komplex und werden durch biologische und soziale Risikofaktoren beeinflusst. Das Konzept der frühen metabolischen Programmierung hat die Autoren angeregt, in der Literatur nach Ursachen zu suchen, die in den ersten 1000 Lebenstagen entscheidend zur Gewichtsentwicklung beitragen. Sie gehören der „mediterranean Nutrition Group“ an, einer Arbeitsgruppe aus der Mittelmeerregion, die nach Strategien zur Prävention der Adipositas sucht. Alle „zehn gute Praxis-Regeln“ können durch entsprechende Studienergebnisse belegt werden. Mit diesen Empfehlungen soll nicht nur die kindliche, sondern auch die spätere Gesundheit gefördert werden.

Pietrobelli, A. et al. Int J Environ Res Public Health. 2017 Dez 1;14(12)