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Stress im Fruchtwasser

07.2017
Autorin Dr. Stephanie Ruf

Wie sich Stress bei der Mutter auf das ungeborene Baby auswirkt, hat ein interdisziplinäres Forscherteam der Universität Zürich und des Max Planck Instituts München untersucht. Dabei wurde die Ausschüttung von Stresshormonen gemessen, die auch von der Plazenta freigesetzt werden. Kleine Mengen gelangen dadurch in den fetalen Kreislauf und ins Fruchtwasser.

In der Untersuchung wurde durch kurzzeitigen Stress kein negativer Effekt auf den Fetus festgestellt.
Hält die Ausschüttung von Stresshormonen jedoch an, verändert sich der Stoffwechsel der Plazenta: Bei chronischem Stress zeigt sich ein erhöhter Corticotropin-Releasing-Hormon-Spiegel (CRH) im Fruchtwasser, der das Wachstum des Ungeborenen beschleunigt. Gefährlich ist die Situation, wenn das Wachstum so stark angekurbelt wird, dass die Organreife darunter leidet.

Der Sinn dieses Mechanismus in der Natur ist aus Tierstudien bekannt: Dauerhafter Stress steht für eine bedrohliche Situation, weshalb durch verstärktes Wachstum die Überlebenschancen erhöht werden sollen.

Stresshormone erhöhen aber auch das Risiko für psychische Erkrankungen wie ADHS oder körperliche Folgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Praxistipp: Ist die Mutter in der Schwangerschaft anhaltend gestresst, sollte sie Unterstützung einfordern. Dies kann in Form einer Beratung durch eine Hebamme oder einer psychologischen Fachberatung erfolgen. Psychologen aus dem Forscherteam unterstreichen die Bedeutung der sicheren Bindung zwischen Mutter und Baby nach der Geburt, die die Folgen von negativem Stress in der Schwangerschaft abfedern kann.

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