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Welchen Einfluss hat mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft auf das kindliche Risiko für Depression und Angst?

Autor Dr. J. Hower, Pädiater

Rauchen während der Schwangerschaft (RWDS) wird mit vielen negativen Einflüssen auf die körperliche, kognitive Entwicklung und mit externalisierendem Verhalten (aggressives Verhalten, Kontrollverlust) verbunden. Inwieweit auch internalisierendes Verhalten (d.h. „innere“ Probleme wie Depressionen und Angststörungen) betroffen ist, wurde bisher weniger untersucht.

Die Autoren haben jetzt Daten aus der norwegischen Mutter-Kind-Kohorten-Studie mit 90.040 Mutter-Kind-Paaren analysiert, um herauszufinden, ob RWDS auch das kindliche Risiko für Depressionen und Angststörungen erhöht.

Methode: Die Mütter mussten Informationen über ihr Rauchverhalten (wenn ja, dann zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft und welche Menge und Häufigkeit des Tabakkonsums?) zweimal im Verlauf der Schwangerschaft angeben. Im Alter von 18 Monaten, 36 Monaten und 5 Jahren wurden die Mütter zum internalisierenden Verhalten ihrer Kinder befragt.

Im Ergebnis zeigte sich bei den Kindern bereits im Alter von 18 Monaten und 36 Monaten ein erhöhtes internalisierendes Verhalten. Ein hoher Tabak-Konsum (z.B. >20 Zigaretten pro Tag) war mit höheren Werten für internalisierendes Verhalten verknüpft. Das mütterliche Rauchverhalten zu Beginn der Schwangerschaft war ein besonders kritisches Zeitfenster für den schädigenden Einfluss des Tabak-Konsums auf die kindliche Entwicklung.

Die Autoren leiten aus ihren Ergebnissen ab, dass mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft das Risiko für internalisierendes Verhalten ihrer Kinder erhöht. Sie halten wegen der Dosis-Abhängigkeit des Konsums eine kausale Beziehung zwischen Tabak-Konsum und internalisierendem Verhalten in der Frühschwangerschaft für wahrscheinlich.

Referenz: Moylan, S et al. The impact of maternal smoking during pregnancy on depressive and anxiety behaviors in children: the Norwegian Mother and Child Cohort Study. BMC Medicine 2015, 13: 24

Kommentar: Ist mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft Körperverletzung? Rauchen während der Schwangerschaft verursacht eine Vielzahl vermeidlicher Komplikationen bei Mutter und Kind und wirkt sich unter Umständen lebenslang auf die Gesundheit aus. Besonders in der Frühschwangerschaft scheint Rauchen, die kindliche Entwicklung zu beeinträchtigen.

  • Rauchen verringert dosisabhängig das fetale Wachstum und das Geburtsgewicht.
  • Es erhöht im Vergleich zu nicht-rauchenden Schwangeren das Frühgeburtsrisiko und die perinatale Sterblichkeit.
  • Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, tragen ein 2-3mal höheres Risiko für den plötzlichen Kindstod.
  • Atemwegserkrankungen sind verbreiteter.
  • Psychosozialen Problemen und psychiatrischen Erkrankungen treten bei Kinder von rauchenden Müttern häufiger auf. In der aktuellen Studie konnten Moylan et al. nachweisen, dass nicht nur externalisierende, sondern auch internalisierende Verhaltensweisen, Angststörungen und Depressionen, nach intra-uteriner Tabak-Exposition zunehmen.

Die einzige wirksame Prävention ist die Vermeidung des aktiven und passiven Tabakrauchens während der Schwangerschaft.

Referenz: Moylan, S et al. The impact of maternal smoking during pregnancy on depressive and anxiety behaviors in children: the Norwegian Mother and Child Cohort Study. BMC Medicine 2015, 13: 24 Dolan, CV et al. Testing Causal Effects of Maternal Smoking During Pregnancy on Offspring’s Externalizing and Internalizing Behavior. Behav Genet 2015 Sep 1