Menü

Auswirkungen von Stress in der Schwangerschaft für Mutter und Kind

Autorin Manuela Pinter, MSc Midwifery & Freie Hebamme, MBCP-Lehrerin

Die komplexen Vorgänge von Stress und dessen Auswirkungen auf die Schwangerschaft rücken zunehmend in den Focus von Untersuchungen und geben Handlungsempfehlungen für die Hebammenpraxis.

Ursachen und Arten von Stress

Man unterscheidet objektive und subjektive Stressoren.

  • Objektive Stressoren sind z.B. Schlafmangel /entzug, Verletzungen Krankheiten, schwere Operationen (z.B. Sectio), Hitze-oder Kälteeinwirkungen, Hunger, Durst, Lärm, Über- oder Unterforderung, allgemein schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen.
  • Subjektive Stressoren sind z.B. negative Denkmuster, Neigungen zu Ungeduld, Ärger, Wut, Angst, Feindseligkeit, Streben nach Dominanz, Konkurrenzdenken, Pessimismus, Zeit- und Leistungsdruck, zu hohe Erwartungen, Hilflosigkeit (Preuss 2009).

Weiter werden Eustress und Disstress unterschieden.

Eustress bringt uns in Spannung und trainiert das Hormonsystem. Er ist nicht gesundheitsschädigend, fördert die Leistungsfähigkeit und kann zu einem besseren Selbstwertgefühl führen.

Disstress entsteht aus einem ungünstigen Verhältnis von Reizeinflüssen und der Verfassung der betroffenen Person. Er kann zu einem Stressdauer-zustand  führen. Dieser führt zur Erschöpfung der Energiereserven und kann chemische Veränderungen im Körper herbeiführen (Arck 2008; Rockenschaub 2001). 

Auswirkungen während der Schwangerschaft

Erhöhte mütterliche Kortisol-Werte in der 2. Hälfte der Schwangerschaft führen beim Ungeborenen zu Stress und heftigen Stressantworten. Wenn zu lange zu viel Kortisol ausgeschüttet wird, muss der Körper einen enormen Energiebedarf decken. Das sympathische Nervensystem steigert seine  Blutzirkulation und erhöht den Herzschlag. Dadurch kann bei Ungeborenen eine verzögerte Gewichtszunahme und Entwicklung auftreten. Das fetale Nervensystem wird langfristig verändert (Sandmann 2011).

Vor allem psychosozialer Stress führt zu Veränderungen der mütterlichen, plazentaren und fetalen neuroendokrinen Parameter (Wadhwa 1996).

Die Folgen hiervon sind SGA, ein erhöhtes Fehl- und Frühgeburtsrisiko, Präeklampsie und Gestationsdiabetes. Hierzu zählen auch emotionale und kognitive Beeinträchtigungen im späteren Leben (Valladares 2009; Sandmann 2011; Gennari-Moser 2011).

Empfehlungen für die Hebammenpraxis

Hebammen haben in ihrem Arbeitsfeld mit Schwangeren und deren Partner vielfältige Möglichkeiten für die schädlichen Auswirkungen von Stress zu sensibilisieren und mit stressreduzierenden Maßnahmen den negativen Stressfaktoren entgegen zu wirken. Durch eine Verminderung von Stress während der Schwangerschaft und der Geburt sowie der Förderung der Ausschüttung von Oxytozin können negative Auswirkungen gemildert oder sogar verhindert werden. Kenntnisse über den Regelkreis der Stresshormone in der Schwangerschaft und über die positiven Auswirkungen von Oxytocin sind hier die Basis für gelungene Interventionen.

In Geburtsvorbereitungskursen können Informationen gegeben und über stressreduzierende Maßnahmen gesprochen werden.

In der Vorsorge ist eine Früherkennung vor allem von externen Risikofaktoren wie zum Beispiel Gewalt möglich. Bei geringen Ressourcen kann so ein niederschwelliger Zugang zu Unterstützung ermöglicht werden.

Während der Geburtsbetreuung sind ein sensibler, empathischer Umgang, die Gewährleistung von Betreuungskontinuität  mit einer Eins zu eins-Betreuung und wenig medizinische Interventionen  wichtige Voraussetzungen Stressoren zu reduzieren.

Nach der Geburt und im Wochenbett sollten Eltern mit ausreichend Zeit zum Bonding und Stillen begleitet werden. Darauf kann auch bei Kaiserschnittgeburten geachtet werden.

Quelle: MA-Arbeit M.Schnedl, MSc Hebamme; M-Schnedl ,C.Rungg, Mag.Dr. S. Perkhofer: Auswirkungen von Stress auf Mutter und Kind; Die Hebamme 2014;27:258-262. Die Originalarbeit liegt der Autorin vor.