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Ist die Ernährung deutscher Kleinkinder ausreichend?

Autor Dr. J. Hower, Pädiater aus Mühlheim a.d.R.

Die Ernährung im Kleinkindalter besitzt kurz- und langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit und das Ernährungsverhalten. Die Autoren wollten mit dieser Studie die Aufnahme von Energie- und Nährstoffen vom Ende des Säuglingsalters bis zum Ende des Kleinkindalters beschreiben und sowohl diätetische als auch sozio-ökonomische Faktoren (SES) mit Hilfe eines Nährstoff-basierten Index (nutrient quality index – NQI) erfassen. Der NQI misst auf einer Skala von 1 bis 100 die aufgenommene Nahrung im Verhältnis zu den aufgenommenen Kalorien.

Mit dieser Untersuchung sollte die Frage beantwortet werden, ob die Nahrungsaufnahme deutscher Kinder für eine gesunde Entwicklung ausreicht.

In der cross-sectionalen GRETA-Studie (German Representative Study of Toddler Alimentation, 2008) wurde über 7 Tage ein Ernährungsprotokoll für Säuglinge und Kleinkinder (n=525) im Alter zwischen 10 bis 36 Monaten geführt. Aus den Nahrungs-Protokollen wurden die allgemeine Energie-Zufuhr und die Zufuhr von 18 Nährstoffen ermittelt. Aus den Ergebnissen wurde der NQI errechnet.

  • Die Energieaufnahme lag bei allen Altersgruppen in der Nähe der empfohlenen Referenzwerte.
  • Das galt auch für die mittlere Aufnahme der meisten Vitamine und Mineralstoffe. Unter den Referenzwerten lag allerdings Zufuhr von Eisen, Jod und Vitamin D.
  • Die Nährstoffdichte nahm mit dem Alter ab.
  • Die Fettaufnahme war ausreichend, fiel aber durch eine geringere Aufnahme von PUFA (mehrfach ungesättigte Fettsäuren) auf.
  • Die Aufnahme von Kohlenhydraten lag im Referenzbereich (>50% der Energieaufnahme), zeigte aber einen zu hohen Anteil an hinzugefügten Zuckern und einen zu geringen Anteil an Faserstoffen (Präbiotika).
  • Die Proteinaufnahme erreichte das zwei- bis dreifache der empfohlenen Referenzwerte mit tendenziell abnehmender Proteinqualität.

Der NQI erreichte rund 80 Punkte und war niedriger bei älteren als bei jüngeren Kindern. Der Punktwert wurde durch den Konsum von Formula-Milch, nicht aber durch den sozio-ökonomischen Status positiv beeinflusst.

Die allgemeine Nahrungsqualität von Säuglingen und Kleinkindern ist in Deutschland hoch, obwohl der NQI mit dem Alter abnimmt. Der NQI war unabhängig von den sozio-ökonomischen Lebensumständen. Die positive Assoziation mit dem Konsum von Formula-Milch kann mit der allgemeinen Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen erklärt werden.

Referenz: Hilbig, A et al. Nutrient Adequacy and Associated Factors in a Nationwide Sample of German Toddlers. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2015 Jan 21 (epub ahead of Print)

Kommentar:

Die Grundlagen für die aktuelle und spätere Gesundheit werden im Säuglings- und Kleinkindalter angelegt. Hierbei spielen das Ernährungsverhalten und die Qualität der Ernährung eine wichtige Rolle.

  • Für eine sozio-ökonomische Verbindung zur Nahrungs-Qualität fanden die Autoren im Gegensatz zu schweizerischen und japanischen Untersuchern in ihrer Studie keinen Anhalt.
  • Für die Aufnahme von Vitamin D zeigt sich ein starker Abfall des Serumspiegels nach dem ersten Lebensjahr, was auf Grund der aktuellen Empfehlungen zur Vitamin D-Supplementierung (Beendigung nach dem ersten Lebensjahr, wenn kein Winter folgt) auch nicht anders zu erwarten ist.
  • Auch für Jod (Jodmangel-Risiko nach Absetzen der Formula-Milch) und Eisen (Prävalenz 1-2 Jahre 12,9%, 3-6 Jahre7,2%) konnte ein Mangel-Risiko nachgewiesen werden.
  • Die mittlere Nahrungsqualität deutscher Säuglinge und Kleinkinder kommt den aktuellen Empfehlungen sehr nahe oder entspricht ihnen.
  • Die Nahrungsqualität war bei jüngeren Kindern besser als bei älteren Kindern, was möglicherweise mit dem Ende der Formula-Milch-Nahrung und der zunehmenden Teilnahme an den elterlichen Mahlzeiten zusammenhängt. Für den Konsum von Formula-Milch konnte ein positiver Einfluss auf die Nahrungs-Qualität nachgewiesen werden. Der Konsum von Kuhmilch ist, wie Ghisoli et al. zeigen konnten, im Gegensatz zur angereicherten Kindermilch mit dem Risiko eines Alpha-Linolensäure-, Eisen-, Vitamin C- und Vitamin D-Mangels verbunden.
  • Die Qualität der aufgenommenen Kohlenhydrate (zu viel hinzugefügter Zucker und zu wenige Faserstoffe) und die Qualität der aufgenommenen Fette (zu wenig ungesättigte Fettsäuren) könnten verbessert werden.

Referenzen:
Jeannot, E et al. Sociodemographic and Economic Determinants of Overweight and Obesity for Public-School Children in Geneva State, Switzerland: A Cross-sectional Study. Int J Prev Med 2015 May 11;6: 39 eCollection
Ueda, P et al. The global economic crisis, household income and pre-adolescent overweight and underweight: an nationwide birth cohort study in Japan. Int J Obes (Lond) 2015 May 18 (epub ahead of print)
Ghisoli, J et al. Nutrient intakes of children aged 1-2years as a function of milk consumption, cow’s milk or growing-up milk. Public Health Nutrition 2012, 16(3): 524-534