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Osteoporose-Prävention durch Gymnastik und kalziumreiche Ernährung. Eine Lektion in Coronazeiten

05.2021
Autor Professor J. Spranger, Universitäts-Kinderklinik Mainz

Knochendichte und -stabilität nehmen im Lauf des Wachstums zu und erreichen ihr Maximum in der Adoleszenz. Voraussetzung sind ausreichende körperliche Aktivität und eine ausreichende Versorgung mit kalziumreichen Nahrungsmitteln. In 83 amerikanischen Schulen mit einem strukturierten Nachmittagsprogramm wurden insgesamt 1275 Grundschüler über 2 mal 20 Wochen in einen Unterrichtsplan einbezogen, der speziell zur Osteoporose-Prävention erstellt worden war [1]. Mit den Kindern wurde 85 Minuten/Woche intensiv geturnt; sie erhielten täglich einen kalziumreichen Snack (380 mg Ca/die) und zweimal wöchentlich Unterrichtsmaterial zu Hintergrund und Sinn der schulischen Maßnahme. Die teilnehmenden Schulen wurden in drei Gruppen randomisiert:
A) Turngruppe (409 Kinder);
B) Turngruppe mit Elternbeteiligung (315 Kinder);
C) Kontrollgruppe (552 Kinder).
Die Teilnahme der Eltern in Gruppe B beschränkte sich auf regelmäßige Zusendungen von Informationsmaterial über gesunde Ernährung und Lebensweise, Coupons, Fragebogen etc. Zur Quantifizierung der körperlichen Aktivität der Turnkinder wurde eine Bilderserie entwickelt, in der die Kinder ihre jeweiligen Aktivitäten vergleichend markierten. Die Bilderserie war hinsichtlich ihrer Validität gegenüber gewichtsabhängigem und metabolischem Energieverbrauch geeicht und mit einem hochsignifikanten Spearman-Koeffizient aussagekräftig.

Die Prüfung der Ergebnisse am Ende der zweijährigen Versuchsreihe zeigte, dass sich die Turnkinder eindeutig mehr bewegt, mehr Kalzium zu sich genommen hatten und signifikant mehr Kenntnisse zu den Inhalten des Unterrichtsmaterials hatten als die Kontrollkinder. Die erhöhte Mobilität ergab sich aus dem hochsignifikant verbesserten metabolischen Energieverbrauch, der besseren Sprunghöhe aus dem Stand und der mit einem Dynamometer gemessenen Griffstärke. Signifikant verbessert hatte sich schließlich die mit Ultraschall am Kalkaneus gemessene Knochenfestigkeit.

In der Gruppe B (mit Beteiligung der Eltern) wurden die besten Ergebnisse erzielt. Die Knochendichte hatte sich um mittlere 2,1 Maßeinheiten erhöht. Bei den Kontrollkindern der Gruppe C hatte sie um mittlere -06 E abgenommen. Die Differenz von (+ 2,1 E vs. -0,6 E) war mit einem p<0,01 nicht zufallsbedingt.

Kommentar: Das unter der Bezeichnung BONES (Beat Osteoporosis – Nourish and Exercise Skeletons) akribisch durchdachte, hochkomplexe Projekt wurde zwischen 1999 und 2003 im Lehrstuhl für Ernährungswissenschaften der Tuft Universität Boston geplant und durchgeführt, erst jetzt veröffentlicht mit praktischen Konsequenzen für die heutige Sachlage. Sie liefert eine solide wissenschaftliche Basis für vereinzelte Privatinitiativen zur Online-Aktivierung eingesperrter Kinder [2] und für politische Entscheidungen, die zuvor dekretierte Immobilität der Schulkinder wieder aufzuheben und somit die Entwicklung und zukünftige Belastbarkeit ihres Skeletts zu verbessern. Gut so. Denn bis zum Ende des Wachstums erworbene Gewohnheiten persistieren lebenslang [3]. Einschließlich Bewegungsarmut – sei sie konstitutionell oder oktroyiert.

Referenzen
[1] Econnomos CD, Hennessy E, Chui K, et al. Beat osteoporosis – nourish and exercise skeletons (BONES): a group randomized controlled trial in children. BMC Pediatrics 2020; 20(1):83. doi: 10.1186/s12887-020-1964-y.
[2] Südwest 3 Fernsehen Landesschau 2021; 11.Februar, 19.30 h.
[3] Weaver CM Gordon CM, Janz KF, et al. The national osteoporosis foundation’s position statement on peak bone mass development and lifestyle factors review and implementation recommendations. Osteoporosis Int (2016); 27: 1281-1386.